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 15 Jahre Laverda

Erschienen im Motalia Heft Nr. 119 (April/1999).

15 Jahre Laverda, eine Bilanz

Gut 18 Jahre alt, erwarb ich eine damals aktuelle Yamaha 250, die mich nach meiner Mopedzeit recht flott durch die Lande zwei-taktete. Sie bewegte mich so rasant, daß sie mir den Rest des Sommers einen Aufenthalt im Krankenhaus bescherte. Während dieses Aufenthaltes wurden, nichts desto trotz, alle Motorradzeitschriften, die Rang und Namen hatten, gelesen!

Hier geschah es, ich wurde wieder auf diese Marke aufmerksam, bei welcher ich schon als Teenie in einer benachbarten Gemeinde die Nase am Schaufenster plattgedrückt hatte. Die Zeit im Krankenhaus ging vorbei, ich konnte wieder auf beiden Beinen stehen und war von nun an auf der Suche nach einem Motorrad aus dem Hause Laverda.Lav_750_2wwwk

Durch meinen Vater entdeckt, kam ich zufällig zu einem Laverda- und Triumph-Händler im benachbarten Kreisgebiet, welcher, sieh mal einer an, eine Laverda 500 Alpino offerierte. Von dieser Maschine so angetan, war es zum Kauf nicht mehr weit. Die Alpino 500 bewegte mich dreieinhalb Jahre und somit ca. 30.000 km durch die Lande, wobei es nur zweimal den Ausfall des Reglers zu bemängeln gab (Beim zweiten Mal mitten in Österreich war es allerdings etwas ärgerlich!).

Während dieser Zeit ging es nicht nur motorradmäßig sondern auch beruflich weiter. In den Jahren 1986 und 1987 wurden zwei Meisterprüfungen absolviert und aus diesem Grunde auch die Alpino veräußert. Im nachhinein gesehen eine Entscheidung, über die ich wirklich nicht lachen kann.Lav_750_1_wwwk

Nun folgte eine Abstinenz in Sachen Motorrad. Der Sommer 1986 ging ohne Motorrad an mir vorbei. Im Spätsommer desselben Jahres lernte ich eine motorradfahrende "sie" kennen (übrigens heute meine Frau), welche für mich den Ausschlag gab, wieder ein Motorrad zu kaufen. Welche Marke es sein sollte? Diese Frage dürfte sich erübrigen. Eine Laverda sollte es wieder sein und zwar eine 750er.

Eigentlich wollte ich es nicht überstürzen, aber eine Annonce in der hiesigen Zeitung stach mir ins Auge: "Verkaufe Laverda 750..." Angerufen, Termin vereinbart, angesehen, probegefahren, gehandelt, gekauft! Es ging alles recht schnell, zumal ich mir beim Kauf eigentlich schon bewußt war, daß ich mir einen "Bastard" eingehandelt hatte. In der heimischen Garage seziert, kam folgendes ans Licht:

- Rahmen: Nr. 1027 - dieses würde heißen, daß sie 1968 gefertigt wurde, kann aber nicht sein, da der erste S bzw. SF-Rahmen ab ca. Nr. 3800 gefertigt wurde.

- Baujahr: 1971 - nicht nachvollziehbar.

- Motor-Nr.: Es wurde die Nummer 1027 von Hand eingeschlagen. Er entpuppte sich als No-Name-Motor. Große Vergaser (PHF) mit langen Ansaugtrichtern, große Ventile, polierter Kurbeltrieb, polierte und ausgeliterte Ansaugwege, 2/C-Nockenwelle.Lav_750_3wwwk

- Bremsanlage: vorne "neue" Laverda-Bremse, hinten "alte" Laverda-Bremse.

- Instrumente: ND-Tachometer und -Drehzahlmesser, sowie ND-Lenkerarmaturen.

- Vorderradgabel: Ceriani 35 mm.

- Sitzbank, Tank: S-Lederhöcker für 2-Mann-Betrieb, S-Tank mit mittigem Einfüllstutzen

- Scheinwerfer: Bosch-Trommelscheinwerfer, Durchmesser 200 mm (wie GTL nach 1973).

Aufgrund dieser "Bestandsaufnahme" erlaubte ich mir, nochmals ein Telefongespräch mit dem Vorbesitzer zu führen. Im Verlauf dieses Gespräches konnte ich erfahren, daß dieses Fahrzeug 1977 von Italien nach Deutschland importiert wurde und zuvor einem nicht unbekannten Werksrennfahrer von Laverda als Privatmaschine diente. Einen Namen wollte der Vorbesitzer jedoch nicht nennen.

Meinen Nachforschungen zufolge, kam aber nur Brettoni in Frage, was sich dann in Gesprächen der folgenden Jahre auch bewahrheitet hat. Ich bin immer noch skeptisch! Eine Ehre wäre es aber schon.LAV-750_7-wwwk

Nun stand ich da mit einem "Bastard". Es huschten viele Gedanken umher. Sollte sie eine originale "S" oder "SF" werden. Nein, sie hatte ja nicht die richtigen Voraussetzungen dafür. Was sollte sie dann werden? Da sie ein "Bastard" war, sollte sie auch einer bleiben, und ich entschloß mich, sie langsam aber sicher nach meinem Geschmack umzubauen. Voraussetzung war, daß sie jeden Sommer bewegt werden konnte. So wurden nach und nach folgende Restaurierungs- bzw. Umbaumaßnahmen vorgenommen:

Räder: Neue Antriebsstoßdämpfer, neue Radlager, neuer Zahnkranz nebst Kette und Ritzel; Bremsnocken überarbeitet und Bremsankerplatte neu ausgebuchst; neue Bremsbeläge (Ferrodo grün).

Gabel: Wurde ersetzt durch neue Gleit- und Standrohre.

Motor: In Sachen Motor habe ich kurz nach dem Kauf einen herben Rückschlag erlitten. Aufgrund unsachgemäßer Stillegung des Motors bildeten sich Standspuren im Zylinder, welche bei der ersten großen Ausfahrt einen Bruch der Ölabstreifringe zur Folge hatte. Bei der anschließenden Motorenrevision wurden dann Nägel mit Köpfen gemacht; neue Kolben, geschliffene Zylinder, neue Steuerkette samt Spannrolle, neue Primärkette inkl. Spanner, neue Kupplung sowie Kupplungsfedern wurden eingebaut. Desweiteren wurden eine SFC-Ölpumpe und eine DMC-Zündanlage aus dem Hause Witt montiert. Zu guter Letzt erhielt sie fast neue Dell'Orto-Vergaser.

Rahmen: Rahmen, Schwinge, Haupt- und Seitenständer wurden neu lackiert.LAV-750_5wwwk

Außerdem wurden neue Kegelrollen-Lenkkopflager sowie neue Nadellager inkl. Achse in die Hinterradschwinge eingebaut. Verschiedene Anbauteile, welche früher lackiert waren, bekamen nun einen Chromüberzug. Das vordere VA-Schutzblech mußte einem knappen Gfk-Teil weichen, welches in der Farbe des Motorrades lackiert ist. Die Farbe wurde übrigens beibehalten (Daimler Benz Nr. 172, anthrazit grau). Sie bietet zu poliertem Aluminium und Chrom einen hervorragenden Kontrast. Ebenso lackiert ist auch die SF-Höckersitzbank mit abgespeckter Polsterung.

Die anfänglich noch originalen Seitendeckel mußten Teilen aus eigener Fertigung weichen. Diese Alu-Seitendeckel füllen nun nur noch das Rahmendreieck aus.

Für den Anlasser-Magnetschalter wurde der rechte Seitendeckel ausgespart. Manchen gefällt es, manchen aber auch nicht. Ich gehöre zu den ersten. Es sollte hier noch erwähnt werden, daß ich bei den Umbaumaßnahmen großen Wert darauf gelegt habe, daß keine Rahmenteile, welche momentan nicht gebraucht werden, entfernt werden. Einer eventuell späteren, anderen Gesinnung, kommt das zugute.

Zuerst sollte nur der verstellbare Laverda-Lenker der 1000er montiert werden. Dann entschloß ich mich aber doch noch zu einer SFC-Halbschale; meines Erachtens wurde die Optik hierdurch optimal abgerundet. Als Scheinwerfer wurde übrigens einer der Pkw-Klasse VW-Polo in H4-Ausführung verwendet. Die zurückverlegte Fußrastenanlage entstammte ursprünglich einer 1000er Laverda und wurde für das 750er Rasten-Dreieck umgebaut.LAV_750_6_wwwk

Allgemein erwähnenswert wäre noch, daß alle Gehäuse-, Zylinder- und Bremstrommelteile glasperlgestrahlt und, wo möglich, poliert sind. Alle sichtbaren Schrauben wurden durch solche aus Edelstahl ersetzt. In Sachen Auspuffanlage sei gesagt, daß sie mit der originalen 2in2-Anlage gut läuft. Seit ca. vier Jahren wird sie aber wahlweise auch mit einer offenen 2in1-Megaphon-Anlage betrieben. Die Leistungsentfaltung dieser Anlage reißt einen aber vom Hocker. Das Drehzahlband von 800 U/min bis nahe 8.000 U/min gleicht fast einer Geraden. Nichts desto trotz, die 2in1-Anlage wurde mit einem Dämpfereinsatz etwas entschärft und somit auch das Gewissen ein wenig beruhigt.

Fast am Ende angekommen, möchte ich in diesem Bericht aber auch Danke sagen. Allen voran meiner Frau und meinen beiden Kindern, für das Verständnis, welches sie diesem Hobby bislang entgegengebracht haben und in Zukunft hoffentlich auch entgegenbringen werden. Danke möchte ich abeLav_750_4wwwkr auch denjenigen sagen, die zum Gelingen der Laverda in irgendeiner Form beigetragen haben!

Schließen möchte ich meine Ausführungen mit ein paar treffenden Sätzen von Tim Parker aus seinem Buch "Italienische Motorräder". Sie sind seiner Laverda 750 SFC gewidmet, wobei ich aber der Meinung bin, daß sie auch auf jede andere Laverda 750 übertragen werden können: "... ist ein besonderes vorzügliches Motorrad, das nicht nur gut aussieht, sondern auch vorzügliche Fahrleistungen aufweist. In seinen besten Jahren, sagen wir 1972, war dieses Motorrad einfach unschlagbar, was Langstreckenrennen betraf. Heute, in den rechten Händen, am rechten Tag, auf Überlandfahrten, vermag diese Laverda jedem zu trotzen, der es mit ihr anlegen will. Dieses Motorrad ist von begnadeten und sich ihrer Arbeit hingebenden Technikern gebaut worden!!"

Für mich gibt es nun nichts mehr zu sagen. Ich wünsche allen ein unfallfreies Jahr 1999.

Mit Parallel-Twin Grüßen

Martin Widmann, Markdorf/Baden

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