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 Benelli 900 Sei

Erschienen im Motalia- Heft Nr. 116 (Januar 1999).

Erfahrungsbericht Benelli 900 Sei

Seit nunmehr zehn Jahren fahre ich ein von vielen Italo-Freaks weniger geliebtes, ja fast verschmähtes Motorrad, eine Benelli 900 Sei. Da ich das Nase-Rümpfen vieler Ducati- und Guzzi-Piloten über Benelli ("Hondaverschnitt") etwas unangemessen finde, möchte ich an dieser Stelle meine Erfahrungen über diese Marke berichten.

Wie kommt man ausgerechnet zur 900 Sei?Benelli Sei 1wwwk

Im zarten Alter von 17 Jahren (1982) als begeisterter Hercules-Kleinkraftradfahrer, besuchte ich das Flugplatzrennen in Augsburg, wo unter anderem ein Superbikerennen ausgetragen wurde. Damals kam man noch recht einfach ins Fahrerlager, und als ich dort so rumlief, landete ich vor dem Demharter-Zelt, dem damaligen Benelli-Importeur. Dort sah ich sie zum ersten Mal: eine MV Agusta 800 America, drei serienmäßige Benelli 900 Sei und eine Benelli 6-Zylinder-Rennmaschine für die Superbike-Klasse!

In diesem Augenblick bin ich wohl vom Italomotorrad-Bazillus befallen worden. Vom ersten Moment an war ich fasziniert von diesen eigentlich recht zierlichen Motorrädern mit dem großen Herz und dem unnachahmlichen Klang. Den Blick in die offene 6-Vergaserbatterie der Rennmaschine werde ich wohl nie vergessen! Damals nahm ich mir vor, so ein Teil mal zu besitzen.

Einige Jahre später war es dann endlich soweit, nach meiner Bundeswehrzeit im Mai '88 kaufte ich mir eine "gut gebrauchte" Benelli 900 Sei mit "gerade mal" 40.000 km für schlappe 4.000 DM. Im Nachhinein hätte ich doch das Angebot für eine Ausstellungs-Sei annehmen sollen, das ich damals hatte, denn mein stolzes Stück soff Öl wie ein Zweitakter und war auch sonst recht verbastelt. Da aber schon damals kein Mensch eine Benelli wollte (außer meinereiner), und ich sie deshalb schwerlich verkaufen konnte, behielt ich sie, und so wuchsen wir mit den Jahren immer mehr zusammen. Die gebrochenen Kolbenringe wurden ebenso wie die ausgezogene Primärkette, die schon am Gehäuse schliff, die Steuerkette mit Spannern sowie die eingelaufene Getriebeausgangswelle erneuert. Außerdem wurde der unzuverlässige Anlasserfreilauf mit einem Kickstarter von der 750 Sei ergänzt. Als nächstes wurde der verpfuschte Kabelbaum erneuert und abschließend wurde die spätpupertäre Racing-Optik (beim Kauf hat sie mich noch so an die Rennmaschine erinnert) durch Originalteile und einen selbstgebauten Höcker ersetzt. Nur die Verkleidung, die von der ersten der damaligen Demharter-Rennmaschinen stammte, blieb.

Nach einigen Jahren war ich bei Kilometer 81.000 angekommen, und die Kompression und folglich auch die Leistung ließen langsam nach.Benelli Sei 2wwwk

So entschloß ich mich, den Motor nochmals, gründlicher, zu überholen. Von Manfred Demharter wurden größere (ich trau es mir kaum zu schreiben) Honda-Kolben mit höherer Verdichtung, welche schon an seinem Rennmotor erprobt wurden, besorgt, zum zweiten Mal Getriebeausgangswelle mit Lagern, Steuer- und Primärkette, Haupt- und Pleuellager erneuert sowie die Ventile auf Dichtigkeit überprüft (waren aber o.k.) und die Ventilabschirmkappen erneuert.

Leider zeigte sich nach der Revision, daß der Motor zwar "saustark" war (gemessene 76 PS am Hinterrad), aber der Ölverbrauch nahm wieder bedenkliche Formen an.

So wurde der Motor nach weiteren 50.000 km wieder ausgebaut und, da ich die Hondakolben ("das japanische Klump taugt halt doch nichts") in Verdacht hatte, beim Demharter zerlegt. Dort standen wir zunächst alle vor einem Rätsel, da sich kein offensichtlicher Fehler zeigte. Erst nach exaktem Vermessen zeigte sich, daß der Zylinderschleifer die Zylinder nicht aufgebohrt sondern aufgehohnt hat (von 90 auf 91,5 mm) und so das "Ei" im Zylinder schön brav wieder nachgehohnt hat! Zu allem Überfluß wurde auch noch auf zuviel Laufspiel gehohnt (4/100 statt 2/100) und das vertragen halt nicht mal die guten japanischen Kolben, die damit wieder rehabilitiert waren!

Als ich nun so beim Demharter überlegte, was zu tun war, sah ich in seinem Lager einen nigelnagelneuen Sei-Motor mit allen Anbauteilen (Lima, Kupplung usw.). Nach kurzem Verhandeln ging dieser letzte neue Benelli-Sechszylinder für 4.000 DM in meinen Besitz über.

Das war 1995, und inzwischen bin ich nur weitere 10.000 km gefahren, aber der neue Motor hat sich schon gelohnt, kein Ölverbrauch, sauberer Lauf usw.

Inzwischen sind noch drei 26er Vergaser drangekommen statt der serienmäßigen 24er (Veterama '96 für
150 DM!), und der Motor zieht seitdem sauber schon ab 2.000 U/min durch. Die ganzen kleineren Umbauten, Zwischenlösungen usw., wie zum Beispiel Konis statt der knochenharten Sebac-Stoßdämpfer, möchte ich hier nicht aufführen, das würde zu weit führen. Heuer wurde dann  noch die "Rennverkleidung" durch eine LM1-Halbschale ersetzt, um Erstere ihrem ursprünglichen Zweck näherzubringen...

In all den Jahren hat mir die Sei viel Spaß gemacht. Sie ist in meinen Augen für ihr Gewicht sehr handlich und trotzdem stabil, der Motor hat eine angenehme Leistungsentfaltung und ist eigentlich recht spritzig, gerade im Vergleich zu manchen Twins. Auch bei längeren Urlaubsfahrten (Frankreich, Korsika, Toskana usw.) hat mich meine Benelli nie im Stich gelassen. Der Pirelli Phantom ist in meinen Augen der beste Reifen für dieses Motorrad, Michelin- oder Metzeler-bereift wird sie spürbar unhandlicher. Der Benzinverbrauch lag im übrigen bei fünf  bis sechs Litern auf 100 km, ohne daß ich aber nur "rumgerollt" bin.Benelli Sei 3wwwk

Wenn überhaupt, krankt sie, wie wohl alle alten Italiener, an einer schlampigen Elektrik, aber Motor und Fahrwerk erscheinen mir recht ausgereift und zuverlässig, mit Ausnahme der Getriebeausgangswelle, die wohl recht empfindlich auf zu starke Kettenspannung zu sein scheint.

Also, wie schon eingangs erwähnt, ein sehr verkanntes Motorrad mit einer nach meinem Geschmack tollen Optik, wenn halt nur die japanische Verwandtschaft nicht wäre...

Aber sieht die alte 750er Laverda nicht auch nach einem vergrößerten Honda-Twin aus der gleichen Zeit aus, und die 500er Laverda hat schon viel vom ersten Yamaha-Vierventiler, auch ein 500er Twin, oder anders, wo fängt das Abkupfern an und wer von wem?

Letztenendes war die Sei der erste serienmäßige Motorrad-Sechszylinder und der ist wunderschön und kommt aus Italien!

Die italienische Viertakt-Racinggeschichte ist im übrigen nicht nur von 1- und 2-Zylindern geprägt sondern vor allem von Multizylindern (MV Agusta, Benelli, Moto Guzzi usw.).Benelli Sei-4wwwk

Womit wir wieder bei den Rennmaschinen sind: Als ich '95 den neuen Motor kaufte, entstand im Hinterkopf der Gedanke, den alten Motor als Herz für eine Rennmaschine herzunehmen, Leistung hat er ja. Meine Kontakte zu "Manne" Demharter brachten mich zu Christian Schmid, der damals die Zentralrohr-Rennrahmen baute, und der hatte doch tatsächlich noch so einen übrig. So entsteht bei mir zur Zeit (wenn mein Sohn es gerade mal zuläßt) eine "Demharter-Replica", aber das ist eine andere Geschichte.

Grüße an alle Motorradfahrer, besonders aber Italiener-Fahrer und noch mehr alle Benelli-Piloten!

Mit freundlichen Grüßen oder Ciao

Anton Berchtold

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