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 Duc Koewe-Erfahrungen

Erschienen im Motalia Heft Nr. 107 (März/1998).

Eine verhängnisvolle Affäre

Nach jahrelangem Schrauben und Fahren mit Ducati-Königswellen-Motorrädern auf Straße und Rennstrecke habe ich mich entschlossen, über meine Erfahrungen zu berichten.

Vom Ducatibazillus, der eine langanhaltende Krankheit zur Folge hat, wurde ich vor über 20 Jahren befallen. Zu der Zeit bewegte ich jedoch deutsche und japanische Motorräder.

Bereits damals waren italienische Motorräder fast unerschwinglich... Die Tester lobten die sportlichen Fahrleistungen. Von Besitzern dieser schönen und schnellen Maschinen war jedoch zu hören, daß diese sehr anfällig und unzuverlässig waren.107Pfister5wwwk

Weil ich gelernter Kfz-Mechaniker bin, blieb es nicht aus, daß ich außer an meinen Fahrzeugen auch an denen meiner Kumpels schraubte. So kam es auch zu den ersten Kontakten mit Ducati-Motorrädern. Eines davon war eine 450er Desmo. Lief dieses Teil, war das schon beeindruckend. Meist stand es jedoch zur Reparatur in der Werkstatt meines Lehrmeisters.

Erst 1984 gönnte ich mir selbst eine 900 SS. Die Maschine war gebraucht, zwei Jahre alt. Wieviel Kilometer sie drauf hatte, weiß ich nicht mehr, es waren aber nicht viele. Ich bezahlte so um die 14.000,- DM. Der Motor war frisch für die BOT gerichtet. Dieses bedeutete eine extrem erleichterte Kurbelwelle, hochverdichtende Kolben und 44er/38er Ventile. Der Rest war noch original.

Das Motorrad wurde sofort zugelassen und gefahren. Genau 180 Kilometer weit, dann war ein metallisches Geräusch aus dem hinteren Zylinderkopf zu vernehmen. Der Händler, der mir das Motorrad verkauft hatte, stellte eine lose Ventilführung fest und behob den Schaden ohne Umstände innerhalb zweier Wochen.

Die nächste Fahrt ging nur ein paar Kilometer weit. Es rauchte aus dem Auspuff des liegenden Zylinders. Sofort zurück zum Händler, dem wurde es peinlich, er diagnostizierte einen gebrochenen Ölabstreifring, schloß auch nicht aus, den Ring beim Zusammenbau selbst beschädigt zu haben. Ich bekam eine 750 Elefant als Ersatzmaschine.107Pfister6wwwk

Nach einigen Tagen konnte ich meine SS wieder abholen. Nach mehreren Wochen, ich kam mit der Maschine besser zurecht und wurde immer schneller, bemerkte ich in schnellen Kurven ein starkes Schlingern. Das konnte nicht normal sein. Nach langem Suchen stellte ich ein verbogenes hinteres Federbein fest und wechselte gleich auf Koni-Stoßdämpfer um. Plötzlich federte das Motorrad sogar, und das Fahrverhalten war tadellos.

Die Freude war nur kurz, wieder ein häßliches Geräusch aus dem Motorinnern. Jetzt aber selbst an die Arbeit. Nach Ausbau des Motors wurde dieser nach Ettlingenweiher zu meinem Kumpel Ronald März gebracht. Unter seiner fachmännischen Anleitung zerlegte ich den Motor, dabei sparte Ronald nicht mit wertvollen Tips.

Festgestellt wurde, daß die Kurbelwelle nicht richtig ausdistanziert war. Die Welle hatte zwischen den Hauptlagern Spiel. Den Mechaniker, der den Motor zuvor zusammengebaut hatte, traf jedoch wenig Schuld. Er hatte die Welle in einem anderen Betrieb richten lassen, dort wurden die Lagersitze der Hauptlager "aufgespritzt", was zur Folge hatte, daß die Welle nicht von alleine in das Hauptlager rutschte. Man mußte schon mit einem Schonhammer nachhelfen.

Die Lagersitze wurden mit Läppleinen abgezogen, neue Hauptlager wurden eingebaut, das Getriebe neu distanziert und dann der Motor zusammengebaut. Bei dieser Gelegenheit lernte ich auch noch, wie man das Ventilspiel prüft und richtig einstellt. Von diesem Kurzlehrgang zehre ich heute noch. Dem März sei Dank!

Wieder zu Hause (damals in Stuttgart), wurde der Motor sofort eingebaut. Von nun an lief das Ding super und machte richtig Laune.107Pfister1wwwk

Ich bin viel gefahren, fast täglich zur Arbeit und bei jedem Wetter. Kleinere Defekte an der Elektrik traten auf, störten den Spaß aber nicht nachhaltig. Bald mußten die Pleuel dann samt Hubzapfen und Nadellager erneuert werden. Nachdem dieses zum dritten Mal notwendig wurde, und auch das eine oder andere Getriebezahnrad und Lager erneuert werden mußten, baute ich auf einen außenliegenden Ölfilter im Hauptstrom um. Nach diesem Umbau hielten die Teile, insbesondere die Kurbelwelle, dreimal so lange.

Im Laufe der Zeit wurde dauernd geschraubt und umgebaut. Speichenräder, Contis, verstärkte Ölpumpe, andere Tanks, andere Verkleidung usw., alles wurde ausprobiert. Keine Schraube wurde verschont. Es wurden überarbeitete Inbusschrauben aus Edelstahl verbaut.

Für die Teilnahme an Clubrennen in Hockenheim und Zeltweg wurde eine extra Ausstattung an Tank, Verkleidung und Höcker gebraucht. Alles wurde selbst hergestellt. Bald wurde auch ein zweiter Motor nur für Rennen aufgebaut. 1990, inzwischen war ich wieder zurück in meine Heimat an den Bodensee gezogen, wurde mir ein Verlicchi-Rennrahmen angeboten. Nach kurzer Überlegung - ich hatte einen Motor, Räder und Gabel müßten zu kriegen sein - wurde der Rahmen gekauft. Ab diesem Zeitpunkt dauerte es sieben Jahre, bis der Renner auf den Rädern stand.

Der Rahmen wurde abgeändert. Die Aufnahme für das Cantileverfederbein wurde im Rahmen ganz nach rechts versetzt, so daß daneben noch der Vergaser und der Auspuffkrümmer Platz fanden.107Pfister4wwwk

Zunächst war alles für ein 18-Zoll-Fahrwerk mit Speichenrädern geplant. Ein Inserat in der Motalia, in dem 17-Zoll-Magnesiumräder angeboten wurden, änderte die Pläne. Also wieder Sägen und Schweißen. Ebenfalls aus Gewichtsgründen wurde eine Aluschwinge von einer 750 F1 um- und eingebaut. Eine 42er M1R-Gabel wurde überarbeitet und eine Brembo-Vierkolben-Anlage angepaßt. Natürlich mußten auch schwimmende Grauguß-Scheiben von Brembo her. So nach und nach nahm der Renner Gestalt an.

Einen wesentlichen Beitrag zur Vollendung des Projektes leisteten meine beiden sach- und fachkundigen Freunde Lothar und Matthäus.

Im Winter 1996/1997 wurden Tank, Verkleidung, Höcker und Schutzbleche hergestellt, alles in blau und silber lackiert.

Mittels Badezimmerwaage wurden mit Öl aber ohne Benzin 152 Kilogramm gewogen.

Der Renner ist richtig gut geworden, so jedenfalls auch die Meinung der Anderen.

Ach ja, während der sieben Aufbaujahre kaufte ich noch einen BEARS-Renner aus England. Von diesem behiel107Pfister2wwwkt ich lediglich den Motor, der Rest wurde nach und nach verkauft.

Die Jungfernfahrt auf dem Hungaroring dauerte ca. 20 Minuten, dann war die Kurbelwelle hinüber. Ich hatte mich schon gewundert, warum der BEARS-Renner, angeblich frisch für die kommende Rennsaison präpariert, verkauft worden war. Die 20 Minuten auf dem Hungaroring reichten jedoch, um festzustellen, daß das Fahrwerk klasse war.

Nach Einbau einer gerichteten Kurbelwelle fuhr ich zwei Tage lang auf dem neuen Ring bei Colmar. Dabei stellte ich ab und zu ein Streifen der Auspuffanlage fest.

Zuerst wollte ich den Auspuff höher verlegen, kurzer Hand zersägte ich nochmals den Rahmen und legte den Motor vorne um
ca. 25 mm und hinten um ca. 10 mm höher. Jetzt gab es Schräglagenfreiheit ohne Ende.107Pfister3wwwk

Mit riesigen Erwartungen trat ich bei der Ducati-Speedweek in Zeltweg an. Nach dem ersten Training wieder dieses Geräusch, ja die Kurbelwelle. Jetzt hatte ich endgültig genug, Sch... Ducati, ich wollte alles stecken. Noch im Fahrerlager habe ich den rechten Seitendeckel am Motor abgeschraubt, in der Hoffnung, eine gelockerte Schraube oder ähnliches zu entdecken. War aber nicht so, die Antriebsachse der Ölpumpe war abgedreht, die Folge: Ölmangel-Pleuellagerschaden.

Nach Zeltweg wurde das Motorrad geputzt und zunächst bei unserem alljährlichen Ducati-Treffen ausgestellt. Eine Woche nach diesem Termin baute ich eine geliehene Kurbelwelle (Theo ist ein echter Kumpel!) ein. Eine Woche später wieder zwei Tage Spaß ohne Probleme auf dem neuen Ring bei Colmar.

Nach unserem Ducati-Treffen fuhr ich mit der 916 eines Kumpels. Das hätte ich nicht tun sollen. Eine meiner Königswellen wurde verkauft (was ich schon jetzt fast bereue) und eine 916 erworben.

Mit dem Verkauf der Königswelle habe ich den Ducatibazillus mit Sicherheit an den neuen Besitzer übertragen.107Pfister7wwwk

Eine sturz- und unfallfreie Motorradsaison 1998 und immer genügend Bremsweg vor Radarfallen wünsche ich allen Fans!

Klaus Pfister

 

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