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 Ducati Mark III

Erschienen in der Motalia Nr. 141 (April 2001).

Ducati 350 Mark III - manchmal ist weniger mehr

Nachdem ich früher eher hubraumstarke Motorräder hatte (Guzzi 850 GT und 750 S, Harley-Davidson Sportster 1000 XLCH und XLH), nenne ich nun eine Ducati 350 Mark III, Baujahr etwa 1970 (laut nach Italienimport von der deutschen Behörde ausgestelltem Kfz-Brief Baujahr 1960, aber da gab es dieses Modell noch gar nicht!) mein eigen und habe damit mehr Spaß als je zuvor mit allen anderen Maschinen.141Mark3_1wwwk

Doch wie kam es dazu? Meiner in den vergangenen 14 Jahren bewegten Eintopf-Yamaha SRX 600 müde, sollte es wieder etwas besonderes, charakteristisches sein. Die sportlichen Vier-Ventiler von Ducati gefielen mir gut. Nach zweistündiger Probefahrt mit einer 916 und 500 km langem Ausritt mit einer 748 kamen mir aber doch Bedenken. So fantastisch dieser Motorcharakter auch ist (Selbst bei Tempo 200 ist nach Aufmachen des Gasgriffes noch die Hölle los; mit dem Ohr nur wenige Zentimeter von den Ansaugtrichtern unter dem Tankblech entfernt, scheint der Motor förmlich zu explodieren.), die Fahrwerkskomponenten und die Sitzposition lassen vernünftiges, im Sinne von erlaubtem, Fahren nur auf nicht limitierten Autobahnen zu. Auf der Landstraße bewegt man sich ständig mit einem Bein im Knast und mit dem anderen im Sarg. Der Spaß fängt auf der Geraden bei 160 km/h an und in Kurven versucht man, sich immer an das Limit heranzutasten - muß das wirklich sein? So besann ich mich der Tugenden, die für mich ein Motorrad ausmachen: Urwüchsiger Motor (kein Automotor), klassisch-sportliches Outfit, guter Sound und möglichst leicht. Auf keinen Fall aber wieder einen (perfekten) Japaner, sondern etwas kerniges ohne vibrationskillende Ausgleichswellen, Plastikkappen und sonstigem Schnickschnack. Also doch wieder ein Viertakt-Einzylinder.141Mark3_2wwwk

Wenn man auch keinen Engländer will (Spezialwerkzeug, problematische Ersatzteilversorgung, "all swimming in oil") und nicht auf die unsportlichen, alt-deutschen Fabrikate steht, kommt man zwangsläufig zu den klassischen, alten Italienern - und hier war Ducati mit seinen Scrambler- und Sportmodellen vor gut 30 Jahren up to date. Zur Erinnerung: 1967 fuhr Roberto Gallina mit serienmäßigem Rahmen in der 350er-Klasse gegen die Mehrzylinder, z. B. auch gegen Giacomo Agostini auf der Drei-Zylinder-MV Agusta, und lag im GP in San Remo sogar einige Runden vorne, bevor er und andere mit ihm dann leider durch Sturz ausfielen!141Mark3_3wwwk

Dieses simple, auf das absolut notwendigste reduzierte 138 kg-Motorrad stellt schon allein mit seiner Geräuschkulisse alles andere bis dato mir bekannte in den Schatten. Nicht, daß die selbstverständlich mit Lafranconis ausgestatteten Guzzis, die mit der obligatorischen, amerikanischen Auspuffanlage versehenen Sportster und die SRX mit Yoshimura-Expansionskammersystem leise beziehungsweise unsauber geklungen haben, aber dieser 350er-Motor mit natürlich offenem Ansaugtrichter und nichtshemmendem Conti-Rohr ist einmalig. Nach ein-, maximal zweimaligem Antritt gibt der Motor nach kurzem Chokebetrieb: "schlürf-schlürf-pang, schlürf-schlürf-pang, schlürf-schlürf-pang" schon im Stand einen derart trockenen Schlag frei: "bumme-bumme-bumme" (Lanz Bulldog läßt grüßen), wogegen die Klänge jeder NSU Konsul oder Horex Regina und geschweige denn die müden alten BMW-Einzylinder wie lahmes Geblubber wirken. 1960 war ein 97 Phon-Standgeräusch wohl legal!?! Wenn dann im Fahrbetrieb nach entsprechender Warmlaufphase über die Königswelle bis gut 8.000 U/min freigesetzt werden, entwickelt sich das typische, alles durchdringende Lied vom Einzylinder. Sogar manch dicht vor mir herfahrender Harley-Treiber blickte schon verdutzt zwischen seine gespreizten Beine auf den in Ankündigung eines Motorschadens plötzlich so merkwürdig wummernden V2 und dachte dann wahrscheinlich beim Hinterherfahren, sein Milwaukee-Eisen sei abgestorben. Die Leistungsentfaltung ist dabei sportlich animierend und reicht mit ca. 30 Cavalli für 210 kg (Maschine + Fahrer) zum zügigen Freifahren von allen sich innerhalb der gesetzlichen Grenzen bewegenden Kraftfahrzeugen. Die (noch) schnelleren lasse ich auch gerne ziehen. So habe ich quasi keine Konkurrenz, und es lassen sich Spaß und Vernunft in Einklang bringen.141Mark3_4wwwk

O.K. - die Beschleunigungsorgien der Supersportler und Bigbikes machen sicher auch an. Aber wer will mir erzählen, daß sich das nur annähernd mit der StVO in Einklang bringen läßt? Die ersten beiden Gänge voll beschleunigen und dann nur noch mit Viertelgas die nächsten drei bis vier Gänge einrasten lassen dürfen? Das ist doch Frust! Wofür braucht man also elektronische Benzineinspritzung, kontaktlose Zündung, Ausgleichswellen und sonstige Vibrationskiller, doppelte Nockenwellen, Tassenstößel, ABS und unverläßlich blinkende Benzinwarnlampen (eine Zeitlang waren auch piepsende Blinker in Mode), wenn dies alles nur den Werkstätten ihre Daseinsberechtigung gibt und wenn vor allem die angeblich so wichtige passive Sicherheit durch die Verleitung zum Rasen eliminiert wird und die Maschinen nur immer schwerer und damit unhandlicher werden? Paradebeispiel ist hier sicher der Vergleich Moto Guzzi V7 Sport zu 1100 i - wo ist der Fortschritt für den Betrieb im Straßenverkehr (ich meine nicht für die Rennstrecke)? Wie treffend ist da doch der Satz eines älteren Leserbriefverfassers aus einer Oldtimerzeitschrift, dem ich mich nur anschließen kann: "Fortschrittliche Technik ist die Konzentration auf das Wesentliche und nicht auf die Anhäufung von unnötigem Firlefanz!!"141Mark3_5wwwk

Manchmal ist weniger eben mehr.

Viele Grüße an alle Einzylinder- und Italienerfans von

Detlev Burrichter

PS: Vielleicht könnt Ihr meine Begeisterung anhand der Fotos ein wenig nachvollziehen - eine Musik-CD liegt leider nicht bei.

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