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 Gilera KZ 125 ES

Erschienen im Motalia Heft Nr. 103 (Dezember/1997).

Erst schnurrt sie, dann faucht sie, anschließend kratzt und beißt sie!!

Die Gilera KZ 125 ES

Es war am 07.11.96, da ritt mich wohl der Teufel, oder war es ganz einfach der Mangel an finanziellen Mitteln, der mich dazu veranlaßte, von allem nur die Hälfte zu kaufen?

Ich, als eingefleischter Zweizylinder-Viertakt-Fahrer (Moto Guzzi, Moto Morini, siehe Motalia-Nr. 75/76/77), habe mich tatsächlich dazu hinreißen lassen, eine italienische Einzylinder-Zweitakt-
Maschine zu erwerben. Es ist unglaublich, ich kann es selbst kaum fassen?! Und dann auch noch eine Marke, die eigentlich mit Viertakt-Motorrädern berühmt wurde. Natürlich hätte ich mir von Gilera auch lieber zwei Takte mehr, viermal soviel Hubraum, und ein paar Pferdestärken mehr gegönnt. Aber man kann ja schließlich nicht alles haben.Gilera125_1wwwk

Kurz und gut, in einer abendlichen, oder sollte ich eher sagen nächtlichen Aktion wechselten zwei Gilera KZ 125 ES, ja ihr hört richtig, zwei, denn einer meiner Arbeitskollegen konnte auch nicht widerstehen, ihre Besitzer. Selbst diverse Fehlteile wie Tachowelle, Batterie, Luftfilter, diverse Gummihalterungen, verschlissene Teile wie Bremsbeläge, Kettensatz und einige Kratzspuren an den Verkleidungsteilen konnten uns nicht vom Kauf abhalten.

Nach angemessener Erholungsphase und Denkpause über Sinn und Unsinn dieser Transaktion konnten wieder klare Gedanken gefaßt werden.

Wie sollte es weitergehen? Die Maschinen mußten getüvt werden. Beglaubigte italienische Papiere mit allen Daten waren vorhanden, fehlte nur noch die Beschaffung der Verschleiß- und Fehlteile. Und genau da lag auch schon das Problem. Als ich einige Händler, die in sämtlichen Motorrad-Zeitungen als Gilera-Markenhändler inserieren, telefonisch nach Ersatzteilen abfragen wollte, bekam ich einstimmig zur Antwort: "Dieser Typ wurde nie offiziell nach Deutschland importiert, dafür haben wir keinerlei Ersatzteile, und beschaffen auch keine, weil der Aufwand zu groß ist!"

Auf eine schriftliche Anfrage, ob es möglich wäre, Teile bei Piaggio-Italia zu beschaffen, bekam ich gar keine Antwort mehr. Verdammt nochmal, es kann doch nicht so schwer sein, für ein Modell, das in Italien weiß Gott wie oft verkauft wurde, Teile nach Deutschland zu bringen?! Soviel zu Service am Kunden! Als nächstes schrieb ich den österreichischen und den schweizer Gilera-Importeur an. Vom österreichischen Importeur bekam ich zur Antwort, daß dieser Typ auch nach Österreich nicht importiert wurde, und deshalb auch keine Ersatzteile vorrätig wären. Im Nachhinein trotzdem vielen Dank für diese Antwort, das zeugt von Charakter, denn vom schweizer Importeur habe ich bis heute nichts mehr gehört. Wahrscheinlich war ihm die handgeschriebene Postkarte nicht standesgemäß genug.Gilera125_2wwwk

Nun stand ich natürlich auf dem Schlauch, als letzten Rettungsanker schrieb ich Piaggio/Italien direkt an. Auf englisch, da mein italienisch so gut wie nicht vorhanden ist, bat ich um ein Piaggio-Händlerverzeichnis von Italien.

Zwei Wochen später erhielt ich ein Piaggio- und ein Gilera-Händlerverzeichnis! Einfach super, jetzt hole ich mir meine Teile beim nächsten Italientrip selbst, und natürlich auch billiger.

Ich aber stand jetzt vor dem Problem, daß mein TÜV-Termin nahte, und sich mein Motorrad eigentlich nicht in dem Zustand befand, wie ich mir das vorstellte.

Aber wer wagt gewinnt! Mit dem Hinweis, doch in absehbarer Zeit den Kettensatz zu wechseln und auch eine zusätzliche Feder am Seitenständer anzubringen, die diesen automatisch bei Entlastung hochzieht. Original hupt die Maschine bei abgeklapptem Seitenständer und eingeschalteter Zündung nur wie verrückt, aber das ist in Deutschland nicht im Gesetzestext vorgesehen. Scheinbar sind wir Deutschen nach bestehendem Gesetz ein Volk von Schwersthörigen?! Oder aber es wird uns nicht soviel technisches Verständnis zugesprochen, daß wir den Seitenständer kontrollieren, wenn die Maschine bei eingeschalteter Zündung hupt.

Wie dem auch sei, der Gilera wurde ein Vollgutachten mit "geringen Mängeln" erstellt (Kostenfaktor: 183,- DM), und die nächste Hürde konnte in Angriff genommen werden.

Mit Unbedenklichkeitsbescheinigung des Kraftfahrt-Bundesamtes, italienischer Abmeldebescheinigung, TÜV-Vollgutachten, Versicherungs-Doppelkarte, Personalausweis und dem nötigen Kleingeld (ca. 190,- DM) ging es zur Kraftfahrzeug-Zulassungsstelle, wo die Anmelderei entgegen aller Erwartungen sogar problemlos ablief. Oh, welch ein Wunder bei unserer deutschen Bürokratie!

Anschließend schnell nach Hause und Nummernschild angeschraubt. Öl, Kraftstoff, Reifendruck, elektrische Anlage, Bremsen kontrolliert, und los ging es.

Erstmal warm fahren! 3.000, 4.000, 5.000 Umdrehungen, verdammt das Ding ging derart unwillig, das gab's doch gar nicht. So ungefähr nach 15 Kilometern hatte ich die Faxen dick und drehte das Triebwerk weiter, scheiß drauf, 6.000, ... 7.000, ... hack, hack, hack!?!? Was war denn das? Ein Geruckel und Gezuckel, und plötzlich ging das Teil voll ab ... 8.000, 9.000, 10.000 Umdrehungen. Ich schalte die Gänge durch bis zum Sechsten, und ca. 135 km/h standen auf der Uhr. Nicht schlecht, dachte ich mir, und zog die ersten langgezogenen Kurven mit Gasanschlag durch. Wahnsinn, voll moppedmäßiges Handling, nur stabiler und erheblich schneller.

Das einzige, was mich störte, war das blöde Gehacke bei 7.000 Umdrehungen. Was es damit auf sich hatte, sollte sich ca. 200 Kilometer später zeigen, als der Motor die 7.000er Schwelle einfach nicht mehr überschreiten wollte, und somit der 5. und 6. Gang unfahrbar waren. Ganz schnell wurde aus der kleinen Rakete die lahmste Schnecke auf Deutschlands geteerten Straßen. Die Drehfreude des kleinen Trieblings ließ mit jedem gefahrenen Kilometer noch mehr nach, und so schaffte ich es gerade noch nach Hause. Hatte schon Angst, irgendwo überholt mich noch so ein rasender Rollerfreak, welch eine Blamage, aber noch mal Glück gehabt!

Die Gilera wurde sofort ihres Ansaugtraktes entledigt, da ich wegen der langen Standzeit verschmutzte Vergaserdüsen vermutete. Vor Ausbau des Vergasers ließ ich sie mehr aus Neugier noch einmal an, und siehe da, das Standgas war wie nie zuvor.Gilera125_3wwwk

Gleich ohne Sitzbank draufgeschwungen und Probefahrt ohne Luftfilterkasten gemacht: guter Durchzug, die Auslaßsteuerung sprach bei den magischen 7.000 Umdrehungen übergangslos an, Höchstgeschwindigkeit laut Tacho 150 km/h. Rundherum ein ganz anderes Motorrad.

Ergo, es konnte nur am Luftfilter liegen, und genauso war es auch. Er war schlicht und einfach verstopft. Aufgrund des vorher angesprochenen Ersatzteilproblems wurden ein paar Löcher in den Luftfilter gestochen, um somit das Atmungsproblem zu beheben, das Teil montiert, und probegefahren.

Sie lief zwar nicht so gut wie ohne Luftfilterkasten, aber doch ganz ordentlich. Um nicht unnötig Dreck anzusaugen, oder eventuell den Motor zu überhitzen, war es vorläufig besser, nicht offen zu fahren.

An einem ausnahmsweise sonnigen Maisamstag wollte ich es dann endlich einmal wagen, eine Runde zu drehen.

Ich fuhr über Leutkirch, Richtung Lindau, bog dann ab in Richtung Oberstaufen/Immenstadt, also die Queralpenstraße. Je engkurviger es wurde, umso mehr Spaß hatte ich mit der Gilera. In den engen Serpentinenkurven vor Lindenberg überholte ich ein Motorrad nach dem anderen, von den Autos ganz zu schweigen, mit spielerischer Leichtigkeit. Alles Maschinen über 500 Kubik, also richtige Motorräder, wie man versucht ist zu sagen. Diese Kurven werden die Fahrer dieser Bikes nicht so schnell vergessen haben. Kommt so eine kleine Furzkiste und macht sie in den Kurven innen- und außenherum gnadenlos naß. Also mir hat es einen Mordsspaß gemacht!

Wenig später, kurz vor Immenstadt, hatte ich jedoch dann Probleme am Hals. Ein Fiat Ducato fuhr mit ca. 110-120 km/h vor mir. Ich benötigte bestimmt eine Strecke von ca. 10 Kilometern, bis ich aufgrund des Gegenverkehrs, der zwar nicht sehr stark war, aber es aus Sicherheitsgründen nicht zuließ zu überholen, endlich am Fiat vorbeiziehen konnte. Da zeigte sich zum ersten Mal die große Schwäche der kleinen Gilera. Die Beschleunigung über 120 km/h ist mehr als zäh.

Aber trotz allem wollte ich es genauer wissen und fuhr von Immenstadt über Blaichach Richtung Riedbergpaß. Was für ein Spaß, in nicht ganz zehn Minuten war ich auf der anderen Seite wieder unten. Hier wirkte sich die Handlichkeit der 125er wieder sehr positiv aus, und wenn man den Motor immer im Drehzahlbereich zwischen 7.000 und 10.000 U/min hält, dann beißt sie ohne Ende. Sie sieht zwar nicht so aus, aber die Kleine ist ein richtiges Funbike!

Mein Weg führte mich anschließend über Krumbach/Österreich, Oberstaufen, Isny und Leutkirch wieder nach Hause. Die letzten 330 Kilometer hatten sehr viel Spaß gemacht. Die Sitzposition ist angenehm, unverkrampft und bequem für Personen von 1,60 - 1,75 Meter Körpergröße.

Resümierend ließ sich feststellen, daß mich keines der sogenannten Superbikes mit 130 PS oder mehr überholt hatte. Dies kann ein Zufall sein, aber mit der Gilera kann man sehr flott unterwegs sein, zumindest auf Nebenstraßen. Auf Autobahnen und Bundesstraßen ist man natürlich mit ca. 130-140 km/h Höchstgeschwindigkeit chancenlos unterlegen, aber das ist auch nicht das Revier der Gilera KZ 125 ES!

Tja, da ich zur Zeit drei Garagen mit 19 Motorrädern und Moppeds belegt habe, und schon wieder Platz benötige, Neues reizt halt, steht unter anderem auch die Gilera zum Verkauf an. Gilera125_4wwwk

Näheres über die Gilera-Zweitaktfamilie und auch speziell über dieses Modell erfährt man in den Büchern: "Motorrad-Technik" von Helmut Hütten, und "Enzyklopädie des Motorrads".

Man trifft sich beim nächsten Sonnenstrahl im Frühjahr 1998, wenn die Reifen wieder haften, oder wer weiß, vielleicht sogar beim nächsten Gilera-Treffen, wenn ich sie dann noch habe.

Und hier noch ein paar technische Daten:

Gilera KZ 125 ES

Baujahre: 1986-1988

Leistung: 18,5 kw/25 PS bei 9.250 U/min

Gewicht: 132 kg leer

Zulässiges Gesamtgewicht: 280 kg

Höchstgeschwindigkeit: 133,8 km/h (laut ehemaligen italienischen Papieren)

Bereifung vorn: 100/80-16
                 hinten: 120/80-16

Durchschnittsverbrauch: 5,8 Liter/100 km/h  (bei flotter Fahrweise)

Sonstiges: -APTS (Automatic Power Tuning  System) = Variabler Auslaßquerschnitt für 
    besseren Drehmoment

   -Getrenntschmierung

   -Wasserkühlung

   -Mono-Federbein

   -Marzocchi-Gabel mit Anti-Dive

   -hochgelegter Auspuff

Bis dann Piet Kindermann

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