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 Guzzi Strada Gespann

Erschienen im Motalia Heft Nr. 123 (September/1999).

Der lange Weg zum BMW-Gespann

Ich hoffe, die Überschrift hat nicht die gleiche Wirkung wie die Knoblauchzehe auf Graf D. und seine Freunde. Schließlich sind Italo-Freaks doch sehr tolerant, und außerdem hat die Geschichte ein Happy-End. Strada-5k

Normalerweise würde ich mich nicht unbedingt als potentiellen Gespannfahrer einstufen. Keine Familie, kein Transportproblem, nicht Winterfahrer (Weichei, ich weiß), trotzdem faszinierte mich die dreirädrige Fortbewegung seit einiger Zeit immer mehr. Annäherungsversuche wurden allerdings von der Gemeinde der Solisten fast schon systematisch torpediert. Jeder kennt die Argumente: Verbindet die Nachteile von Motorrad und Auto, ist saugefährlich, ist doch kein Motorradfahren mehr und so weiter. Wie soll ich mir aber eine Meinung bilden, wenn ich’s nie ausprobiert habe?

Dann nimmt das Schicksal seinen Lauf: An einem schönen Oktober-Samstag düse ich noch mal schnell auf die Schwägalp. Je nach Route kommt man bei einem Guzzi-Händler und Gespannbauer vorbei. Schon klar, daß ich zufällig da lande. Draußen steht ein schönes California-Gespann, ich schaue und staune und nach kurzer Zeit komme ich mit dem Chef ins Gespräch. Und weil ich nie auch nur mitgefahren bin, schließt Sämi kurzerhand den Laden zu und packt mich ins Boot. Wow, das sollte Strada-1kjede(r) mal mitmachen: das kartmäßige Fahrgefühl und die Macchina direkt neben sich - ein Traum. Als ich dann auf einer kleinen Nebenstraße selbst mal ein paar hundert Meter fahren kann, ist klar, so ein Ding muß her. Der Preis für das Gespann ist echt o.k., mein Kontostand allerdings nicht. Meine BMW will ich nicht hergeben, die 750 S3 nicht umbauen, in Zahlung geben reicht nicht - ich hab also mal wieder ein Problem.

Im April ‘97 ist dann ein Probefahr-Weekend der schweizer Gespannbauer. Wir fahren von der Dnepr bis zum GG Duetto fast alles, was es hier zu kaufen gibt. Bei den Armecs steht zum Probesitzen auch noch ein von Sämi Thalmann gebautes Guzzi-EZS-Compact-Gespann. Es kommt allerdings nicht in Frage, weil der im Boot montierte Sitz ziemlich eng ist und überhaupt, die 1000er Strada ist sowieso nicht so schön. Es soll außerdem ein BMW-Gespann werden. Zu der Zeit war ich (wegen meiner Länge (197 cm) genervt von der Sitzposition auf der S3) auf dem ”Neuer-Boxer-alles-perfekt-Trip”.

Im Sommer ‘97 gehe ich dem guten Sämi mit endlosen Fragen auf den Keks. Kurz vor dem Startschuß muß das Projekt Boxer-Gespann dann allerdings ad acta gelegt werden - zu teuer und letztlich zu emotionslos. Aber im Laden steht da noch dieses rote Gespann. Nur so zum Spaß steige ich mal drauf und finde es gar nicht soooo übel. Wieso dann alles plötzlich so schnell geht, weiß ich auch nicht. Die Optik kann man bei einer Guzzi relativ problemlos ändern, Boot und Sitz gehen schon irgendwie, und die S3 soll sowieso weg.Strada-2k

Im Januar hole ich das gute Stück dann ab. Was jetzt kommt, könnt Ihr Euch bestimmt vorstellen: Super so ein Gespann, eigentlich braucht fast nichts mehr gemacht zu werden. Naja, fast nichts! Dann geht es los: 1. die Sitzmöbel: also Sitz ausbauen, auseinandernehmen, umschweißen, der Sattler kleidet ihn wieder ein. Er kümmert sich auch gleich noch um die häßliche Original-Sitzbank. Als Bootsscheibe hatte ich auch mal was schnittigeres gesehen. Ist mittlerweile auch geändert. Bleibt nur noch die Optik der Strada, aber das wird schon noch.

”Der EZS-Compact kommt leer in Rechtskurven relativ schnell hoch; wenn’s Boot hochkommt, nicht bremsen, sondern eher Gasgeben; Rechtskurven eher langsam angehen und mit Schub durch, Linkskurven eher zügig angehen und Gas zumachen.” Macht das mal! Boot kommt hoch, weil zu schnell, und dann sollst du noch Gas geben! Man soll seelenruhig mit zuviel Schwung auf eine Kurve zubratzen? Gefühlsmäßig ist das irgendwie völlig unlogisch, verschärft ist, daß es funktioniert. Trotzdem oder gerade deshalb gehe ich die ersten Ausfahrten erstmal sehr vorsichtig Strada-3kan.

Dann ein Schlüsselerlebnis: Wir sind zu zweit unterwegs, Gewicht im Boot, Fahren kein Problem. Ich weiß gar nicht, was die alle haben, ist doch gar nicht so schwer. Frau Zuhause abgesetzt, noch mal alleine losgefahren. Irgendwo links abgebogen, danach Bergauf-Rechtskurve. Ordentlich beschleunigt, so ein Gespann zieht doch schlechter als ‘ne Solomaschine. Boot kommt hoch, ich bremse, Boot steigt höher, Gegenverkehr kommt. Der könnte doch mal bremseeeeeeeeeeen. Tut er nicht, aber irgendwie schaffe ich es. Schwein gehabt.

Klar bin ich nicht Schuld. Sche...-Gespann, das lern' ich nie. Ich muß einen Kurs machen, die sollen mir das doch beibringen. Und überhaupt, am besten verkaufen das Teil, ich will sowieso viel lieber ‘ne 1100 Sport.

Aber jetzt kommt die Sache mit dem Stolz und das Üben auf einem Parkplatz und die Aha-Erlebnisse. Langsam fängt es sogar an, Spaß zu machen. Es passieren die Sachen, die mir Sämi schon angekündigt hat. Auf einer kurvigen, teilweise dreckigen Straße hänge ich einen Kumpel auf einer Solo-BMW ab. Ein bißchen rutschen mit dem Gespann macht eben nichts. Bei Passfahrten fühle ich mich nicht mehr als Hindernis, sondern muß sogar immer wieder Schlafmützen auf zwei oder vier Rädern überholen. Ausflüge auf die Schwäbische Alp, in den Schwarzwald oder in die Alpen machen mich im Laufe des Sommers gut sattelfest. Sogar meine Befürchtung, mir häufiger den Beiwagenkotflügel abzufahren, erweist sich zumindStrada-6kest bisher als unbegründet.

Dezent umgebaut wird natürlich auch. Der Lenker ist für meine ewig langen Arme doch recht ungünstig, also wird ein schöner, verchromter Endurolenker (nicht wie Superbike, sondern wie früher R 69 S oder NSU-Max-Gespann) in der Breite angepaßt und montiert. Die Original-Spiegel von der California werden gegen solche mit ordentlicher Länge und besserer Kröpfung getauscht, eine Steckdose und der obligatorische Alu-Limadeckel montiert, eine Silent Hektik-Zündung ist schon drin.

Die Technik der Guzzi verkraftet alles bestens, eigentlich klar. Einzige Defekte auf 8.500 km sind eine Zündspule und der Lenkungsdämpfer. Der Motor ist ein Traum, ordentlich Dampf von unten, und wenn es mal schneller gehen muß, schafft die Fuhre deutlich mehr als Autobahnrichtgeschwindigkeit und das bei moderaten Verbräuchen.

Mein Resümee nach einem Jahr auf drei Rädern: Es ist vieles eingetroffen, was mir alte Hasen vorhergesagt haben; vieles aber auch nicht. Ich hatte nie Muskelkater vom Kurvenfahren vonwegen Kraft statt Technik; ich hatte trotz des neuen Spielzeugs häufiger das Bedürfnis, mit der Solomaschine zu fahren; ich war überrascht über die enorme Akzeptanz und die eigentlich immer positiven Reaktionen der Leute. Ich schätze den Riesenkofferraum (über 200 Liter) und den Fahrspaß, der schon bei recht niedrigen Geschwindigkeiten enorm ist. Strada-7k

Natürlich sind schon weitere Dinge in Planung. Beim Heck schwebt mir eher sowas wie Mille GT vor. Dummerweise hat die Strada den Rahmen mit den gebogenen Enden. Vielleicht geht’s ja trotzdem irgendwie (Hat jemand sowas schon gemacht, ohne Absägen?). Eine Zwei-in-eins-links wäre noch ganz nett. Das Cockpit ist auch ziemlich häßlich, da läuft schon was, ist wegen des Zünd-Lenkschlosses allerdings nicht so ohne.

Die Strada 1000 ist technisch eine SP III ohne Verkleidung. Sie wurde in Deutschland nicht angeboten. In der Schweiz war sie, soweit ich weiß, auch kein Riesenerfolg. Zum Schluß wurde sie recht preiswert losgeschlagen und zum Teil als günstige Basis für ein Gespann verwendet.

(Neupreis meines Gespannes mit Lackierung, Schwingengabel etc. 25.800,- schweizer Franken).

Uwe Diesselmeier

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