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 Morini 250 V

Erschienen im Motalia Heft Nr. 137 (Dezember 2000).

Wau!... 250 Vau!!

Im Spätherbst 1997, auf einer abendlichen Informationstour, was denn bei den Händlern in der nächsten Umgebung so alles an italophilen, zweirädrigen Fortbewegungsmitteln herumstand, -lehnte und -lag, fiel mir ein filigranes, kleines Etwas auf.

Es stand noch auf einem überplanten Anhänger, und von hinten im Halbdunkeln konnte ich nur einen schmalen Reifen, auch Teerschneider genannt, auf einer verschmutzten Grimeca-Gußfelge, deren Farbe sich nach näheren Untersuchungen als goldähnlich identifizieren ließ, und ein mir unbekanntes Heck entdecken.137Morini250V1wwwk

"Das Gerät erstmal ans Tageslicht ziehen", war mein erster Gedanke. Aufgrund des geringen Gewichtes war das kein schwieriger Akt.

Vor mir stand eine Moto Morini 250, 2 Zylinder, 4-Takt. Mein Herz schlug etwas schneller, und hinter der ganzen Schmiere und dem Dreck, der das Maschinchen bedeckte, konnte man sogar erkennen, welche Farbe der Lacksatz und die sonstigen Anbauteile an sich trugen. Es stellte sich als letzte Version mit Heckbürzel heraus, war importiert aus Italien und besaß bereits einen deutschen Brief mit TÜV.

In Anbetracht des Bestrebens der Ergänzung meiner Morini-Sammlung war dieses Relikt der Begierde für mich natürlich unwiderstehlich und wechselte nach kurzen Preisverhandlungen für 1.600,- DM den Besitzer. Es war zu diesem Zeitpunkt meine fünfte Morini, nach 500 Sei-V, 125 H, 3½ Sport und 125 Corsaro-Wrack. Eine Woche nach Kaufabschluß wurde sie per Anhänger nach Hause verfrachtet.

Zuhause angekommen wurde die 250er die nächsten Tage erstmal genauer inspiziert, und folgende Arbeiten wurden durchgeführt:

1. Vorder- und Hinterradreifen gewechselt

2. Zahnriemen gewechselt (lt. Handbuch alle drei Jahre, bzw. 15.000 km)137Morini250V2wwwk

3. Öl, Bremsflüssigkeit und Luftfilter gewechselt

4. Kettensatz gewechselt

5. Ventilspiel eingestellt

6. sonstige Verschleißteile kontrolliert

7. Motorrad von vorn bis hinten gereinigt, da es total
    verdreckt war, und ich dabei praktisch jedes Teil
    anfasse, gleichzeitig verdeckte Schäden und lose Verbindungen entdecke.

Während des Ölwechsels fiel mir auf, daß die Viskosität der abgelassenen Flüssigkeit eher der von Wasser glich. Nach einer Geruchsprobe stellte sich heraus, daß das Altöl einen Mindestanteil von 30 % Treibstoff enthielt. Meine Begeisterung über diese Feststellung hielt sich natürlich in Grenzen. "Hast du wieder mal ein Tuck gekauft, dessen Motor kurz vor dem Exitus steht", war mein erster Gedanke, und ich befürchtete Schlimmes...!137Morini250V3wwwk

Nach Zerlegung der Vergaser erfolgte jedoch Entwarnung, denn beim Vergaser des vorderen Zylinders konnte ich feststellen, daß die Schwimmereinstellung total daneben war. Somit sind bei geöffnetem, bzw. defektem Benzinhahn alle Schleusen vom Tank ausgehend über Vergaser, Brennraum und Kolben zur Ölwanne für das "Flüssige Gold" frei gewesen. Es entging somit seiner eigentlichen Pflicht, für die uns wichtigen Explosionen im Brennraum zu sorgen, und der nächste Motorschaden war quasi vorprogrammiert.

Wie unfair und zwischenzeitlich verschwenderisch teuer, dank "Ökosteuer", zu welchem Zweck diese auch immer dienen soll?!

Da müßten alle Morinis bei ihren Verbräuchen zwischen 2,2 und 4,8 l/100 km steuerbefreit sein, und alle dicken Proletencontainer mit Verbräuchen von 10, 12 l und mehr, G-Kat hin oder her (nützt bei Kurzstreckenbetrieb und hohen Drehzahlen sowieso nichts) erheblich höher besteuert werden. Darum Kfz-Steuer weg und Treibstoffpreis hoch. Wer viel fährt, verschmutzt mehr Umwelt und nutzt mehr Straßen, das ist das einzig gerechte Konzept.

Jedenfalls wurde dieser sinnlosen Verschwendung von Treibstoff, durch die genaue Einstellung der Schwimmer, etc. gemäß Dell'Orto-Handbuch (erhältlich bei Stein-Dinse) Einhalt geboten und somit dem Motor gleichzeitig die Schmierung zugesichert, die er zur sicheren Funktion benötigt.137Morini250V4wwwk

So weit so gut, nach ein paar Kilometern Probefahrt und wenigen Einstellarbeiten sollte es Mitte Mai 1998 losgehen und zwar auf das 18. Deutsche Moto Morini-Treffen nach Neuburg a. d. Donau, veranstaltet vom Moto Morini-Stammtisch Mittelbayern. Das Treffen fand an einem paradiesischen Plätzchen außerhalb Neuburgs statt, war international besucht, und wenn es etwas wärmer gewesen wäre; ja, dann hätte es nahezu perfekt sein können. Unterwegs war ich mit Theo, meinem Italo-Stammtisch- Kameraden, der mich dazu animierte, mit der 250er ständig am Limit zu fahren, um einigermaßen mit seiner 3½ T mithalten zu können. Mit Limit meine ich 9.000 U/min im sechsten Gang, was der V-max von 130 km/h entsprach (alles von den Instrumenten abgelesene Werte).

Was mich total nervte, war die Tatsache, daß ich mit der 250 Bicilindrica so schnell hochschalten mußte wie bei einem Zweitakter, und das rechtsseitig mit diffizil enggestuftem Getriebe und viel Spiel im Schaltgestänge. War nicht so einfach am Anfang, aber Übung macht den Meister.

Resümee der beiden Tage: Außer einer losvibrierten Krümmermutter am vorderen Zylinder, die nachgezogen wurde und seitdem auch fest bleibt, gab es keine Störungen.

Was mich allerdings absolut störte, war die Dauerdrehzahl von 9.000 U/min im sechsten Gang.

Fast unerträglich, ich dachte, der Motor fliegt mir auseinander. Desweiteren riß die Maschine beim Anfahren aus dem Stand so abartig an, daß ich manchmal dachte, mir reißt es das Kettenrad von der Felge. Also mußte eine andere Sekundärübersetzung her, und so wechselte ich auf Ritzel 15 Zähne und Kettenrad 44 Zähne.137Morini250V5wwwk

Die Maschine läßt sich seitdem angenehmer anfahren, die Kupplung erheblich besser dosieren, und der Motor dreht nur noch gut 8.000 U/min bei 130 km/h im sechsten Gang.

Nun konnte auch die nächste Aufgabe, das 9. Moto Morini-Treffen in Morano sul Po, bei Casale/Italien am 1. Juni-Wochenende, in Angriff genommen werden.

Für mich persönlich seit meinem ersten Besuch 1995 ein alljährliches Pflichtprogramm, wobei es natürlich eher Vergnügen, denn Pflicht ist.

Meine Begleiter diesmal waren Markus mit seiner schnellen 3½ Sport, den ich in Neuburg kennenlernte und nicht lange überreden mußte, und mein Schwager Walter auf seiner 501 Camel, der auch schon seit 1996 regelmäßig dabei ist, damals noch auf BMW R 60. Seit diesem Treffen jedoch ist auch er ein Tifosi Morini und zwar mit Leib und Seele. Die Streckenlänge beträgt von mir zu Hause aus 520 km einfach, ob das wohl gutgeht?!

Am Donnerstagmittag, einem Feiertag, trafen wir uns und brachen auf. Der Weg führte uns über Lindau, Vaduz, St. Luzisteig, Chur, Lenzerheide, Julierpaß, Malojapaß, Chiavenna zur Comer See-Westseite, wo wir auf einem Campingplatz eine unvergeßliche Nacht verbrachten.

Da es trocken war und nach einem ausgiebigen Pizzaessen auch schon 22 Uhr, beschlossen wir, unsere Zelte nicht mehr aufzubauen, was sich als Fehler erweisen sollte.

Zuerst wurden wir unbarmherzig von Stechmücken geplagt, und zu allem Überfluß begann es dann, zwischen vier und fünf Uhr morgens auch noch zu regnen. Schöne Sch...!

Wir "schliefen" (?) dann in teilweise unmöglichen Stellungen an noch unmöglicheren Stellen verteilt auf dem Campingplatz, Hauptsache ein Dach (Wohnwagen, Verandaboden) über dem Kopf.137Morini250V6wwwk

Von dieser Nacht gerädert und alles andere als ausgeschlafen, sattelten wir um ca. sieben Uhr, bei andauerndem leichten Regen, die Pferde und suchten die nächste offene Bar am See auf, um etwas zu frühstücken, damit die Gesichter wieder menschliche Züge annahmen.

Wesentlich besser gelaunt bewältigten wir anschließend den Rest der Strecke, die uns gegen Ende in der Poebene durch eine schier endlose Fläche von Reisfeldern führte.

Kurz nach Mittag kamen wir schließlich in Morano an und wurden wie immer mit italienischer Herzlichkeit empfangen.

Nachmittags stand Zeltaufstellen und Relaxen auf dem Programm. Das Wetter war schwülheiß aber wenigstens trocken, und wie in jedem Jahr wurde von tausenden, ach was, millionen von kleinen ekelhaften Saugern zur Blutspende gebeten. Nach und nach trafen Morinifahrer(innen) aus aller Herren Länder ein, außer Deutschland und natürlich Italien auch aus Österreich, Schweiz, Niederlande, Belgien, Frankreich und Großbritannien, ja sogar ein Tifosi aus Australien unterbrach seine Europa-Tour für zwei Tage.

So wurde am Freitag ein gemütlicher Abend mit familiärer Stimmung unter Gleichgesinnten mit ein paar Flaschen Vino und dem Erzählen von "Morinilatein" verbracht.

Der Samstagvormittag flog mit Benzingesprächen, Begrüßung von Neuankömmlingen und Morini-Sightseeing viel zu schnell vorbei.

Zwischendurch wurde die Konzentration immer wieder von den Düften der leckeren, ortsüblichen Spezialitäten durchbrochen, die mittlerweile zur Stillung leiblichen Verlangens vor Ort zubereitet wurden. Nachdem die Meute zur besten Zufriedenheit gesättigt, in manchen Fällen gar übersättigt war, wurde um ca. 15 Uhr zur samstäglichen Ausfahrt aufgerufen.

Mindestens 70 bis 80 Morinis verschiedenster Baujahre und Typen, und einige "Ichwolltichwäre-Morini" bildeten eine nicht endenwollende Kolonne. Bestens organisiert, unterstützt von Ambulance und Polizia, führte uns die Ausfahrt durch die nähere Umgebung auf der hügeligen Südseite der Poebene durch kleine Ortschaften, über viele Hügel und schmale Straßen.

Einfach herrlich, in Ortschaften, die wir durchfuhren, standen teilweise die Einwohner, vorgewarnt durch tiefes Motorengebrummel, am Straßenrand und beklatschten die vorbeifahrenden Tifosi Morini. Unter der italienischen Bevölkerung herrscht in solchen Dingen eine nationale Begeisterung, die in Deutschland undenkbar ist.137Morini250V7wwwk

Angekommen auf einem Weingut wurde geschlemmt, der eine oder andere Becher Vino Rosso oder Bianco verköstigt, und das alles zum Nulltarif. Auch größere Mengen Wein konnten preisgünstig erworben werden, nur wie transportieren?

Die darauffolgende Rückfahrt zum Treffenplatz, bei der jeder sein eigenes Tempo fuhr, gestaltete sich meistens dementsprechend flotter.

Abends spielte dann wie jedes Jahr eine Band zu Unterhaltung und Tanz auf, wodurch ein großer Teil der Bewohner von Morano angelockt wurde und zusammen mit den Tifosi feierte.

Für einige ist das die längste Nacht des Treffens und sie endet erst Sonntagmorgen, wenn die Vögel bereits zu zwitschern beginnen. Zu diesem Personenkreis darf auch ich mich zählen, was sonst eigentlich nicht meine Art ist.

Sonntagvormittag fand noch eine Ausfahrt statt, an der wir jedoch nicht teilnahmen, da wir uns schon nach dem Mittagessen auf die Heimreise begeben wollten.

Also Zelt abgebaut und alle Klamotten verstaut, eigene Maschine kurz durchgecheckt, beladen, und bis zum Mittagessen noch einmal zum -zigsten Mal ein Morini-Sightseeing gemacht, ich konnte mich einfach nicht sattsehen. Nach einem vorzüglichen Mittagessen legten wir dann auch tatsächlich, nach der üblichen Verabschiedungsorgie, gegen 13.30 Uhr ab.137Morini250V8wwwk

Zu uns gesellte sich zusätzlich Bernhard mit einer noch schnelleren 3½ Sport, der uns bis Bellinzona anführte. Seiner Maschine und seinem Fahrstil waren wir kaum gewachsen, dementsprechend flott ging es voran. Nähe Luino hatte der fahrerische Spaß jedoch ein Ende, denn es begann, wie aus Eimern zu schütten. In Bellinzona trennten wir uns wie verabredet von Bernhard, der auf der Autobahn weiterfuhr, und brachten die Strecke nach Hause, diesesmal über den Bernhardino, hinter uns. Alles natürlich auf Landstraßen, da wir die österreich-schweizerische Autobahn-Wegelagerei nicht unterstützen.

Mehr möchte ich über diese 350 Kilometer Regenfahrt nicht berichten, da das Wetter wirklich so absolut beschissen war, daß wir halb apathisch und vollends durchnäßt um ca. 23 Uhr zu Hause ankamen. Der Markus hatte dann auch keine Lust mehr den Rest nach Hause zu fahren und übernachtete, Montagsurlaub sei Dank, in meinem Familienzelt, das gerade für die Kinder im Garten aufgestellt war. Wir alle waren sehr froh, daß die Heimreise ohne größere Zwischenfälle außer einem Fast-Sturz und einer spuckenden 501er-Zündung wegen Feuchtigkeit ablief.

Um so höher ist es zu werten, daß meine 250 Bicilindrica, außer einer zerstörten Rücklichtbirne auf der Hinfahrt am Julierpaß nicht die geringsten Mucken machte, sondern ohne Tadel funktionierte, fast schon "japanisch"?!

So, das war's zur Tour nach Morano 1998 auf 250 V, die ich auch im Jahr 2000 wieder mit diesem Motorrad unternahm, dieses Jahr ohne die geringste Störung. Jedesmal zwischen 1.100 und 1.200 wunderschön zu fahrenden Kilometern, bis auf das besch... Wetter auf der Heimreise '98.

Von 1995 bis 1997 war ich dreimal mit 500 Sei-V, und 1999 mit 400 Sport bei diesem schönsten aller Morini-Treffen. Seit 1995 besuchte ich also jedes Treffen in Morano sul Po, und so soll es auch wenn möglich in Zukunft bleiben. Eigentlich ein jährliches Pflichtprogramm für jeden Morini-Fahrer, ach ja, auch Markus, Bernhard, Walter und viele andere kommen seit dem ersten Mal jedes Jahr. Da fällt mir nur ein: "Ciao a presto!"

Nun aber, nach meinen persönlichen 250 Bicilindrica-Erfahrungen, möchte ich noch direkter auf diesen Morinityp eingehen.

Die Moto Morini 250 V, Amex J, Bicilindrica, oder wie man sie auch nennen will, gemeint ist immer das selbe Modell, stellt die filigranste, zweizylindrige "Signorina" der Firma Moto Morini dar. Sie wurde gebaut in den Jahren 1979 in schwarz/rot, 1980 in rot, und anschließend bis ins Jahr 1986 in Abänderung der Tank-Sitzbankkombination und einiger anderer Teile in braun-metallic (maron) und in rot. Die 250 V entstand aus der 125 H, wobei der Rahmen im linken Dreieck so abgeändert wurde, daß ein Zweizylindermotor Platz fand. Der Rohrdurchmesser blieb im Vergleich zur 125er unverändert, und der Rahmen wurde unten an den Doppelschleifen etwas besser versteift. Mit der Ovalrohrschwinge, die auch im Fahrwerk der 250 T Verwendung fand, der 32 mm Paioli-Gabel und den Sebac-Dämpfern ist das Fahrwerk über jeden Zweifel erhaben.137Morini250V9wwwk

Sie stellt sich vor als zu 50 % 125 H, 250 T, 3½; die anderen 50 % sind eigener Charakter. Baujahrbedingt wurde die Bicilindrica während ihrer gesamten Bauzeit mit Leichtmetallfelgen von Grimeca, gold- oder silberfarben ausgeliefert. Durch die ultrabreite Bereifung von vorn 2.75-18" und hinten 3.25-18" und einem Leergewicht von 140 kg ist sie ein Kurvenflitzer par Excellence, und der Fahrer giert regelrecht nach der nächsten Kurvenkombination, um diese locker zu durchschwingen.

Mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 325 Kilogramm kann die 250 V auch sehr gut beladen werden und ist somit absolut tourentauglich. Bei der Soziustauglichkeit weist das zulässige Gesamtgewicht ebenfalls genügend Spielraum auf, nur vom Platz her ist es von Vorteil, frisch verliebt und von schlanker Statur zu sein.

Der Motor wurde konstruiert vom genialen Ingenieur Franco Lambertini und lehnt sich an das 3½er-Triebwerk an. Mit einer Bohrung von 59 mm und einem Hub von 43,8 mm, was einen Hubraum von 239,492 ccm ergibt, ist der Viertakt-ohv-Motor eindeutig kurzhubig ausgelegt. Er ist 11,7:1 verdichtet, leistet 23 PS (ca. 17 kW) bei 8.800 U/min, was der Bicilindrica zu einer Beschleunigung von 0 - 100 km/h in 11,3 Sekunden und einer V-max von 141 km/h gereichen soll.

Um die angegebenen Beschleunigungswerte zu erreichen, muß heftig mit dem rechtsgeschalteten Sechsgang-Getriebe gearbeitet werden. Auch über 130 km/h laut Tachoanzeige bin ich mit meiner 250 V noch nie gekommen, außer bergab, daher scheint mir dieser Wert wie üblich etwas hochgegriffen.137Morini250V10wwwk

Abgebremst wird das Ganze durch eine Grimeca-Einscheibenbremsanlage mit verchromter Scheibe vorn, Durchmesser 260 mm, und einer 160er Trommelbremse hinten, die ihre Arbeit hervorragend verrichten. Ausgestattet mit zwei Dell'Orto VHBZ 22-Vergasern ist sie mit einem Verbrauch von 3,5 l/100 km angegeben. Meine Berechnungen belegen 4,1 l/100 km, was jedoch natürlich von der Fahrweise abhängig gemacht werden darf. Eventuell habe ich auch noch nicht die richtige Vergaserabstimmung gefunden. Bei einem Tankinhalt von 13 Litern reicht das immer noch für 300 Kilometer, was einen hervorragenden Wert darstellt, hervorgerufen unter anderem durch die Verbrennung nach dem Heron-Prinzip. Das heißt, der Treibstoff wird auf dem Kolbenboden in einer fast herzförmigen Vertiefung verbrannt, wobei der Zylinderkopf auf der Innenseite flach ausgelegt ist, und die Ventile senkrecht im Kopf stehen. Auch der Nockenwellenantrieb  über Zahnriemen, nicht Steuerkette und deren Gerassel, wie bei den HoYaKaSuschis stellte im Motorrad-Motorenbau der damaligen Zeit (ab 1971) ein Novum dar.

Bei den Bauteilen zur Spannungsversorgung, sprich Elektrik, griff die Firma Moto Morini zum Großteil auf Komponenten von Ducati-Electronica, später auch Kokusan zurück und ging genauso hier unzeitgemäß fortschrittliche Wege. Die Steuerung der Zündung erfolgt über Pickups und Zündboxen, alles kontaktlos, damals eine Besonderheit. Die Sechs-Volt- Bordspannung der 250 Bicilindrica, ausgehend von einer 80 Watt-Lichtmaschine wird gespeichert von einem 11 Ah-Akku, und war nicht mehr zeitgemäß. Die Lichtausbeute bei Nachtfahrten ist deshalb nicht gerade berauschend, und ein entgegenkommendes Fahrzeug kann den Bicilindrica-Fahrer schon mal leicht in Schwierigkeiten bringen, besonders bei Nässe, oder falsch eingestellten Scheinwerfern.

Nach den drei Jahren, in der sich die 250 V nun in meinem Besitz befindet, und ca. 4.500 gefahrenen Kilometern, wage ich zu behaupten, daß dieses Fahrwerk mit zum Besten gehört, was bei der Firma Moto Morini jemals zusammengesteckt wurde. Dieses Gestell kann einen Motor mit doppelter Leistung verkraften, davon bin ich überzeugt, und teilweise wurde dies auch in letzter Zeit schon bewiesen.

Aufgrund eigens für den Modelltyp 250 Bicilindrica gefertigter Anbauteile, wie Lenker, Tank, Sitzbank, Bürzel, Seitendeckel, Luftfilterkasten, Rücklicht, Nummernschildhalter und selbst beim Rahmen gab es leichte Unterschiede, war der Modellpreis zur damaligen Zeit relativ hoch.

Dieses bewirkte, daß die Bicilindrica in Italien, England und Deutschland angeboten nur geringe Verkaufszahlen aufweisen konnte. Heute liegt der Marktwert je nach Zustand bei ca. 2000,- bis 3.500,- DM. Ich denke, sie ist es wert!137Morini250V11wwwk

Nach dem Rückkauf der Namensrechte durch den Neffen Morini Franco Motori, die sich somit wieder im Familienbesitz befinden, und in erneuter Zusammenarbeit mit Ingenieur Lambertini gipfeln, bleibt zu hoffen, daß der Markenname Moto Morini in neuem Licht erstrahlt und seine Tifosi begeistert, denn: Mit derzeitiger Technologie, aktuellem Knowhow und modernen Materialien gibt es nichts, was man nicht besser machen könnte als vor 30 Jahren.

Diese Meinung vertrat grob übersetzt Ing. Franco Lambertini auf dem Treffen in Morano sul Po im Jahr 1999. Dem ist nichts hinzuzufügen!

In freudiger Erwartung, ciao a presto in Morano

Peter Kindermann vom MFA-Team

 

Informationsquellen:

Das unschätzbare Motorrad-Jahrbuch Nr. 1/ 1996, deutsch, ISBN 3-9804436-2-0

Moto Morini - eine italienische Legende, Gerhard Scharl, deutsch, ISBN ?

Moto Morini - una leggenda italiana, Gerhard Scharl, italienisch, ISBN 88-8229-066-2

Moto Morini, Fabio Ferrario, italienisch, ISBN 88-87577-01-3

Moto Morini, Mick Walker, englisch, ISBN 1 85847 504X

La Strega - Das Heft für Morinifahrer

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