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 Ohrwurm - Guzzi Le Mans

Erschienen im Motalia Heft Nr. 123 (September 1999).

Ohrwurm

Als ich um die 13 Jahre alt war, knatterte des öfteren etwas rotes, flaches, mit einer ominösen Geräuschkulisse an unserem Hof vorbei, daß es mir jedesmal den Kragen verrenkte. Es war stets zu schnell, um erkennen zu können, was es war. Doch schon im nächsten Jahr löste sich das Rätsel, nachdem ich es bei meinem Schlagzeuglehrer im Übungsraum stehen sah. Es war eine Le Mans 1 im geleckten Originalzustand, welche sein Sohn fuhr.

Jahre vergingen, erstmal MopSchmiko_5wwwkedzeit, dann achtzehn Jahre alt und der Traum war noch da. Doch auf Anraten meiner Eltern hin, welche meine Mopedsalti noch vor Augen hatten, mußte ich noch etwas weiter träumen. Mit der vollen Geschäftsfähigkeit war es dann doch endlich soweit, und meine Suche begann. Nach einigen erfolglosen Besuchen bei Italo-Importeuren mit Schrott zu Neupreisen, setzte ich ein Kaufgesuch in die Zeitung Motorrad, das auch einige Anrufe mit sich brachte. Aus finanziellen Gründen, wie auch fehlenden Angeboten, wurde aus der LM 1 eine LM 3, leicht klassisch umgebaut, welche sich als Glücksgriff erweisen sollte. Mit Halbschale, Höckersitz, Alutank und offenen Trichtern war ich erstmal zufrieden und fuhr eine Saison.

Bereits im nächsten Winter flogen Halbschale, Höcker, Cockpit und Armaturen in die Ecke. Eigenbaucockpit und Alusitz wurden montiert. Zum Saisonende hatte ich größeres vor: komplett zerlegen, Rahmen pulvern, Rahmendreieck frei, Elektrik neu, Motor aufmotzen. Letzteres löste ich damals, durch wenig Fachkenntnis, auf die billige Art und Weise: 88er Gilardonis, P3-Nocke, härtere Ventilfedern!!, neue Steuerkette und -spanner, sowie polieren und angleichen sämtlicher Kanäle. Das Ergebnis war zur Überraschung aller enorm gut. Aber auch optisch sollte der Motor unter meiner kreativen Hand zu leiden haben. So montierte ich V7-Ventildeckel und rundete die Zylinder.

Den kommenden Sommer ging's gleich abSchmiko_6wwwk nach Kreta, wo ich die Vorteile eines solchen Umbaus kennenlernen sollte. Bei einer Sandfahrt wollte meine Batterie unbedingt auf der Insel bleiben, und so mußte ich sie mit Gewalt wieder an mich reißen. Komischerweise blieb sonst, bis auf ein paar Stürze und verlorene Teile, alles ganz. In dieser Schraubersaison entschloß ich mich zu dem kostspieligen Umbau
auf  Speichenräder; vorn 2,5 x 18, hinten
3,5 x 18 Zoll. Aus weiterer Unkenntnis erwarb ich die Räder von einem dilettantischen Händler aus dem hessisch-badischen Raum, der außer Versprechungen und meiner Kohle nichts auf der Hand hatte. So wurde die ganze Geschichte 1990 noch zum Behördenlauf. Da ich außerdem das Gefühl hatte, mein Motorrad nicht richtig zu hören, montierte ich verchromte Lafranconis LM 1, die wahrscheinlich aus Alfasudblech hergestellt waren und nach vier Jahren nur noch aus Chrom bestanden. Im Sommer wurde erneut Griechenland in Angriff genommen, wo ich des öfteren mit meiner Eigenbauelektrik mit originalem Regler und Gleichrichter konfrontiert wurde.

Der nächste Winter brachte wenig Umbau, der Alutank wurde teillackiert, Eigenbaulenker aus VA angebracht und ein neuer Alu-Ledersitz wurde angefertigt. Der Haupturlaub führte uns diesmal nach Andalusien und Gibraltar, wo meine Begeisterung für meine Eigenbauelektrik nicht stieg. Aber zumindest konnte ich einige Nordlichter (Ex-Guzzi-Fahrer) beim Anschieben durch meine Freundin zum Lachen bringen. Trotz kleiner Pannen kamen wir nach 7.500 km wieder gut zu Hause an. Endlich machte ich mir Gedanken, einmal Nägel mit Köpfen zu machen und das Bike nochmals komplett zu überholen.

Der Rahmen wurSchmiko_4wwwkde zu Johannes Salch nach Hammelburg gebracht, welcher gute Arbeit zu einem vernünftigen Preis lieferte und ihn silber beschichtete. Eine Cali 3-Gabel wurde gekürzt und mit Eigenbaurisern zur Aufnahme des VA-Lenkers bestückt. Die Räder, da etwas versalzen, wurden ebenfalls ausgespeicht, Naben und Felgen von Johannes beschichtet. Leider entsprachen die gestrahlten und farblos beschichteten Felgen nicht meinem Geschmack, so daß alles in mühseliger Handarbeit abgekratzt wurde. Schließlich entschloß ich mich, die Felgen mit Vlies matt zu schleifen, was dann auch mit allen anderen Aluteilen passierte, um den ultimativen Technolook zu erreichen. Ein Aluhöcker wurde erneut angefertigt und von meinem Kumpel Bernd mit Leder bezogen. Lichteinheiten wurden ausgetauscht, Cockpit vergessen. Mit der Elektrik wendete ich mich diesmal an Hubert Leibinger (Hubis), für den mein Vorhaben (Minischalter im Lenker) auch Neuland war. Doch Hubi löste das Ganze sehr sauber mit Eigenbauplatine, -Regler/Gleichrichter und sämtlichen Relais. Als krönender Abschluß wurden noch silberne Kabelhüllen montiert. Auch hier war ich sehr zufrieden (alles funktioniert) und der Preis war ebenso akzeptabel.

Als optisches Highlight ließ ich die Sichtteile von Walter Rosner in Mitterteich melonengelb-matt lackieren und mit einem Airbrush versehen. Wiederum paßte das Preis-/Leistungsverhältnis.

Die große Reise sollte uns dieses Jahr zum Treffen nach Mandello führen. Vom Italostammtisch Tirschenreuth waren wir fünf Mann.

Doch dummerweise holte mich auf der A9 bei 140 km/h mein Billigtuning ein, indem sich ein Ventil verabschiedete. Mit Hängen und Würgen noch auf den Standstreifen und zur nächsten Ausfahrt geschoben. Dank vorhandenen Werkzeugs gleich Kopf runtergerissen, mit dem Resultat: Totalschaden. Doch glücklicherweise stand noch ein Bike amerikanischer Bauart in unserer Garage, mit dem ich dann einen Tag später die Reise allein antrat und das Fest schließlich noch erleben durfte.Schmiko_3wwwk

Wieder sollten Nägel mit Köpfen gemacht werden, und so holte ich mir Preisangebote der renomiertesten Motorspezialisten. Ich blieb bei Hartmut Taborsky (HTM) hängen, da ich schon einen Motor von ihm gefahren hatte und von diesem sehr begeistert war. Also nahm mein Kumpel Olli den Schrott mit nach Aachen, wo er seziert wurde. Ergebnis, wie in den meisten solcher Fälle, noch schlimmer als befürchtet.

Obwohl ich kein Sozialhilfeempfänger bin, entschied ich mich nicht für die High-Performance-Lösung, sondern suchte einen akzeptablen Mittelweg. Nach dem Motto: Es gibt auch ein Motorradfahren ohne 95 PS.

Die Kurbelwelle wurde feingewuchtet, Pleuel, Ölpumpe, 1 Zylinderkopf erneuert, HTM-Ventiltrieb Drehmoment, 92er Kolben und Zylinder, und der ganze Kleinkram, der bei sowas anfällt, wurden natürlich auch ersetzt. Montiert wurde das Ganze dann von meinem Freund Guzzi-Alois und mir, um zu sehen, was denn da alles so reinkommt.Schmiko_1wwwk

Nebenbei überholte Alois auch gleich noch das Getriebe. Die Leistung ist nicht schlecht, wobei man sagen muß, daß ich erst 3.000 km damit gefahren habe, da ich letzte Saison polizeitechnisch nicht konnte. Zu guterletzt werde ich die Maßnahme dieses Jahr mit einer Feinabstimmung (bis 15 % Leistungssteigerung) bei HTM abrunden. Somit dürfte ich fast am doppelten Preis einer LM 3 von 1983 angekommen sein.

Wie immer funktionieren solche Projekte nur, wenn Freunde und Kumpels helfen. Dafür nochmals herzlichen Dank!Schmiko_2wwwk

Aber auch die Motalia sollte nicht vergessen werden, seit deren Erscheinen lebt die Italo-Szene doch erst richtig auf! Dankeschön!

Pannen- und bullenfreie Fahrt wünscht

Heinz Schmidkonz

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