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 Orange in France

Erschienen im Motalia Heft Nr. 133 (August/2000).

Orange in France

Anläßlich der jährlich stattfindenden Veranstaltung mit historischen Motorrädern (Coupes Moto Legende) fand am 20.05. und 21.05.00 auf dem Circuit de Linas-Montlhéry ein Laverda-Treffen statt.

Das habe ich mir doch gedacht, dieser Mann führt etwas im Schilde. Gemeint ist Marnix van der Schalk, ein niederländischer Laverda-Enthusiast par Excellence und treibende Kraft des internationalen Laverda 750 SFC-Registers. Seit über zehn Jahren ist Marnix van der Schalk immer auf der Pirsch nach 750 SF Competiziones. Auf allen europäischen Laverda-Treffen mit Fotoapparat und Notizblock bewaffnet, unter orangefarbenen Motorrädern rumkriechend, um festzustellen, ob hier getarnt und getäuscht wurde, oder ob es sich um ein noch nicht von ihm erfaßtes Originalfahrzeug vom Werk handelt. Seine akribischen Recherchen machen ihn meiner Meinung nach zum besten Kenner dieser seltenen Motorräder. Es lag also nahe, daß es irgendwann ein von ihm geplantes Treffen geben würde. Da schon im letzten Jahr beim 25-jährigen Jubiläum vom International Laverda Owners Club in England von einem anstehenden Treffen gesprochen wurde, kam die Einladung nach Montlhéry nicht überraschend.133Laverda1wwwk

Im Einladungsschreiben wurde die Teilnahme namhafter, ehemaliger Rennfahrer mit diversen Werksrennmaschinen angekündigt. Als Highlight sollte die sagenumwobene Laverda 1000 V6 Langstreckenrennmaschine präsentiert werden.

Solche Versprechungen wurden bei ähnlichen Vorhaben von anderen Organisationen an anderer Stelle auch schon nicht gehalten. Aber wir sollten eines besseren belehrt werden.

In Zusammenarbeit mit dem Laverda Club de France und der Amicale 750 Laverda, federführend Paul Marx, wurde ein Laverda-Event der Sonderklasse organisiert.

Wir, das sind Heinz, Burkhardt und der Schreibende, allesamt seit mindestens 15 Jahren mit dem Laverda-Bazillus unheilbar infiziert. Da wir räumlich sehr weit voneinander entfernt wohnen, ist es immer schwierig, gemeinsame Fahrten zu organisieren. Heinz wohnt in Wilhelmshaven an der Nordseeküste, Burkhardt lebt mit seiner Familie im Westerwald, und mein Domizil befindet sich in Rade bei Hamburg.

Also, da blieb mir nichts anderes übrig, als das Motorrad zu satteln und in Richtung Schlicktowncity (Wilhelmshaven) zu schmettern. Dort wurden die Jota von Heinz und meine Laverda in einen Transporter gestellt und verzurrt. Die 450 Kilometer Autobahn mit dem Krad bis zu Burkhardt wollten wir uns nicht unbedingt gönnen. Also gings schön gemütlich, unserem Alter entsprechend, auf vier Rädern Richtung Süd-West-Deutschland.

Der Start der gemeinsamen Motorradtour war am Freitagmorgen im Westerwald bei Burkhardt in Birken-Honigsessen (der Ort heißt wirklich so). Unser Freund Burkhardt hatte aus seinem Laverda-Fuhrpark eine 750 S der neuen, wassergekühlten Generation für die Reise ausgewählt. Dieses Motorrad hat sich sowohl auf Langstrecken mit Gepäck als auch in Renntrainings in Le Castelet als überaus agiles und zuverlässiges Fahrzeug bewährt. Es stehen mittlerweile 25.000 Kilometer auf dem Tacho.133Laverda2wwwk

Als Zwischenstation haben wir die neu gegründete Firma OCT (Orange Cycle Team) in Dom-Esch in der Nähe von Euskirchen/Köln besucht. Die Inhaber rekrutieren sich aus Mitarbeitern des ehemaligen Laverda-Importeurs Moto Witt. Sie haben das komplette Ersatzteillager von Moto Witt übernommen und sich die Aufgabe gestellt, alle Wünsche der Fahrer von alten und neuen Laverdas zu erfüllen. Vor kurzem wurde im Auftrag eines Kunden aus Passau eine Langstreckenrennmaschine für 24-Stunden-Rennen fertiggestellt. Zur Zeit ist eine Rennmaschine für Sprintrennen in Vorbereitung. Als Basis diente in beiden Fällen eine 99er 750 Formula.

Bei der Gelegenheit habe ich von kundiger Hand den Zündzeitpunkt meiner SFC einstellen lassen. Prompt stellte man fest, daß ich den Pickup falsch angeschlossen hatte, und der Zündzeitpunkt viel zu spät nach OT eingestellt war. Während der zweijährigen Komplettrevision meiner SFC war ich ausschließlich SF2 gefahren und mir war das Feingefühl für den Motor abhanden gekommen, irgendwie fehlte der Biß. Asche auf mein Haupt. Das Motorrad war erst zwei Tage vor Reisebeginn wieder zugelassen worden, und mir fehlte einfach die Zeit für längere Probefahrten.

Als wir uns vom Orange Cycle Team verabschiedet hatten und uns Richtung Frankreich aufmachten, wurde mir schnell wieder bewußt, was den Unterschied zwischen einem SF2-Motor und einem SFC-Electronica-Motor ausmacht. Der Motor drehte wieder locker hoch wie früher und hatte kaum Vibrationen. Das saubere Stakkato des Paralleltwins bei moderaten 6.000 Umdrehungen ließ bei mir trotz des stundenlangen Dauerregens in Belgien ein zufriedenes Gefühl entstehen.

Verhältnismäßig wasserdicht eingepackt, langliegend auf dem Tankrucksack, hinter der Halbschale versteckt, den Gasgriff in einer Stellung arretiert, stellte ich mir tagträumerisch vor, bei lauen 25 Grad Celsius auf der Superstrada zwischen Trento und Padova in Italien zu fahren. Und schon ließ sich das Sch...wetter bis Paris ertragen.

Gegen 17.00 Uhr waren wir nach einigen Tankstops und Wasser aus den Stiefeln kippen eingeschlossen pünktlich zur Rush-Hour in der französischen Metropole angekommen.

Die Franzosen mit ihren Rollern und Motorrädern pfiffen durch die Gassen der Autoschlangen, daß einem angst und bange wurde. Ob man wollte oder nicht, man war gezwungen, genauso schnell zu fahren, ansonsten gab es ein wildes Hupkonzert von hinten.

Die französischen Autofahrer haben Respekt und lassen in jedem Fall Platz zum Durchfahren. Aber häufig waren links und rechts nur einige Zentimeter Luft zu den Fahrzeugen. Da war manchmal tiefes Durchatmen angesagt.

Nach über 600 km Regenfahrt, davon 30 km Stau, erreichten wir Montlhéry und fanden auch schnell unser Hotel.

Vor dem Eingang standen unter einem Vordach bereits Motorräder der Marken MV Agusta, BSA, Magni und einige Veteranen englischer Herkunft. Außerdem parkte noch ein Threewheeler mit Guzzi-Motor vor dem Haus.

Mehrere Kleintransporter mit Aufschriften wie Classic Bikes oder Moto Legende ließen uns schon ahnen, welche Art von Veranstaltung hier ablaufen sollte.133laverda4wwwk

Für unsere Motorräder wurde schnell ein freier Platz im Trockenen gefunden. Das Gepäck abrödeln, im Hotel einchecken und ab unter die Dusche passierte blitzartig. Mein Freund Heinz meinte: “Unter bestimmten Umständen kann eine warme Dusche schöner als Beischlaf sein.“ - Na ja, wenn das so ist, soll er ruhig weiter duschen.

Beim gemeinsamen Abendessen im Hotelrestaurant trafen wir zufällig auch Werner und Astrid aus Winsen an der Luhe. Die beiden befanden sich auf ihrer Hochzeitsreise, allerdings mit dem PKW, und hatten einen Teil der Flitterwochen in Paris verbracht.

Als eingefleischter Laverda-Fahrer und SFC-Besitzer wollte sich Werner das Ereignis in Montlhéry natürlich nicht entgehen lassen. Außer dem Besuch von Venedig und Disneyworld bei Paris wurde die frischgebackene Ehefrau behutsam an die Kultstätten der Laverda-Biker geführt. Neben Breganze, der Keimzelle allen Tuns, und dem Ort Zane mit den neuen Fertigungshallen durfte natürlich das Biker-Restaurant da Maurizio in Valle San Liberale nicht fehlen.

Am Samstagmorgen, wir trauten unseren Augen kaum, keine Wolke am Himmel und schönstes Wetter. Schnell gefrühstückt und mit unseren „waschstraßenfesten“ aber mittlerweile trockenen Motorrädern auf zum Ort des Geschehens: Eine 1924 erbaute Oval-Rennstrecke mit wundervollen Steilwandkurven und zwei Schikanen.

Nach einigen Fehlinformationen wurden wir zum Innenbereich geleitet. Im ersten Moment waren wir erschlagen von den Menschenmassen und den unzähligen Motorrädern aus dem gesamten Jahrhundert. Wie wir später dem Programmheft entnehmen konnten, waren 80 Vereine gemeldet. Die Spanne der Markenclubs reichte von Ariel bis Zündapp. Es war fast alles vertreten, was auf zwei Rädern zu Rang und Namen gekommen war.

Außerdem gab es viele Stände, an denen man anhand der ausgestellten Fahrzeuge sofort erkennen konnte, daß das Interesse nur einem bestimmten Fahrzeugtyp einer Marke galt. Man konzentrierte sich z. B. auf Kawasaki Z 900, Z 1300 oder auf 2-Takt-Dreizylinder der selben Marke, sowie Honda CBX 1000, CX 500 (Güllepumpe), CB 750 und RC 30, dann noch Yamaha XT 500 und die RD-Reihe, von Suzuki gab es die GT 750 Wasserbüffel. Rahmenhersteller wie Egli, Martin, Bakker, Rickman und Triton wurden von Liebhabern mit sehr schön hergerichteten Maschinen präsentiert.

Man konnte fast vergessen, warum wir diesen Trip gemacht hatten. Richtig! Da war doch das Treffen dieser orangefarbenen Motorräder aus Italien. Nach etlichen hundert Metern in Schrittgeschwindigkeit und mit schleifender Kupplung durch die Menschenmenge stand s i e plötzlich direkt vor mir. Laverda Total - die seitlich angebrachten großen Aufkleber könnten nicht passender sein. Ein 1000 ccm V-Sechszylinder Langstreckentier, bereit, alles nieder zu machen, mit seinen beiden Augen die Gegner zu fixieren und zu Tode zu hetzen.

Es war 1978, als dieses legendäre Motorrad beim Bol d’Or auf der Mistral-Geraden in Paul Ricard mit sensationellen 283 km/h gestoppt wurde, immerhin 30 km/h schneller als die direkten Konkurrenten. Das Drama des Ausfalls kurz vor Ende des Rennens durch ein defektes Kardangelenk ist bekannt.133Laverda3wwwk

Ich durfte meine Laverda an das Ende der in Reih und Glied formierten SFC-Racer stellen. Es sollen insgesamt 26 Stück gewesen sein. Wobei die wenigsten Maschinen für den öffentlichen Verkehr zugelassen und mit der offenen 2in1-Auspuffanlage ausgestattet waren. Man stelle sich vor, ich wäre mit meiner völlig ungedämpften Megaphontüte durch den vorgenannten Stau gefahren. Die Ambulance hätte Probleme gehabt, alle kollabierten Herzkranken zu versorgen. Die Gendarmerie wäre gezwungen gewesen, mich mit einem finalen Rettungsschuß vom Hobel zu holen.

Viele bekannte Gesichter aus deutscher, holländischer und natürlich italienischer Laverda-Szene waren zu sehen. Mittendrin Marnix van der Schalk im Gespräch mit Augusto Brettoni, ehemaliger Werksrennfahrer aus den siebziger Jahren. Daneben der Vater aller Laverdas, Signore Piero Antonio Laverda persönlich, welcher mit seinem ebenfalls rennverrückten Bruder Massimo erst den Bau dieser orangefarbenen Renner ermöglichte. Ein ungemein sympathischer und freundlicher Mensch, der sichtlich Freude daran hatte, daß so viele Menschen für seine „Kinder“ Interesse zeigen. Er ließ es sich natürlich auch nicht nehmen, mit einigen anderen Fahrern zusammen einer Werks-SFC die Sporen zu geben.

Aber alle anwesenden warteten natürlich auf den Start der V6-Rennmaschine. Nachdem Augusto Brettoni die Reifen mit einer Fußpumpe auf den richtigen Druck gebracht hatte, begann die Zeremonie. Andächtige Ruhe vor dem Sturm - Zündung an, die Benzinpumpe tickte, dann ein kurzer Druck auf den Starterknopf und ein unbeschreiblicher Auspuffton stellte bei mir die Nackenhaare auf. Eine Symphonie aus dunklem Grollen im unteren Drehzahlbereich bis zum hellen Singen in höheren Regionen. Dabei sind kaum mechanische Geräusche des wassergekühlten Motors zu hören. Einfach bellissimo. Alle Umstehenden waren entzückt.133Laverda5wwwk

Bis zu diesem Augenblick hatte sich unsere Reise bereits gelohnt. Wir sahen uns noch auf dem riesigen Teilemarkt um und fuhren am späten Nachmittag, ich mit einem gehörigen Sonnenbrand auf den Ohren, zum Hotel zurück.

Am nächsten Morgen wollten wir eigentlich noch einmal zur Rennstrecke, aber es regnete wieder wie aus Kübeln. Wir entschlossen uns dann, den direkten Weg nach Hause zu nehmen. Das Wetter änderte sich nur unwesentlich, wir vermißten eigentlich nur etwas Schnee und Hagel. Aber dafür war der Regen kälter als auf der Hinfahrt. Bei Burkhardts Heim angekommen, wurden die als Motorräder getarnten U-Boote gleich in den Transporter verladen. Obwohl wir bei dieser Extrem-Tauchtour keinen einzigen Defekt hatten, mochten wir zu diesem Zeitpunkt keine Motorräder mehr sehen.

Vom Laverda Club Niederelbe grüßt Euch Jan-D. Oeljeschläger

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